Blogkarneval: Mein Krimi und ich!

Manche mögen sie, andere verabscheuen sie: Krimis. Welche Beziehung hast Du zur Kriminalliteratur? Warum magst Du Krimis – oder warum nicht? Spannung oder Entspannung, literarisches Grauen oder Genuss – was bedeutet Kriminalliteratur für Dich?
Kriminalliteratur ist der Nervenkitzel der schlaflosen, bevorstehenden Nacht. Kriminalliteratur ist die Sucht trotz völliger Müdigkeit nicht die Augen zu schließen. Kriminalliteratur ist die absure Möglichkeit, Sympathien für einen Mörder zu entwickeln.
Krimis gehörten nicht immer zu meinem bevorzugten Literaturgenre. Ganz im Gegenteil. Krimis lese ich erst seit gut drei Jahren. Seitdem allerdings fast kontinuierlich. Von den wenigen Ausnahmen aus dem Bereich Belletristik berichtete ich hier und hier.
Als Jugendliche las ich viele Bücher über die Thematik des 2.Weltkieges und der Diskriminierung von Minderheiten. Später wechselte ich in das Fach der sog. “Pop-Literatur”, welches ich sehr schnell und nach der üblichen Abstumpfung (es ging ja immer um das gleiche langweilige Gedöns) wieder verlies. Es folgten einige Jahre der Resignation (was besser klingt als totale Desorientierung in der literarischen Welt).
Dann vor gut drei Jahren empfahl mir eine Freundin “Illuminati” von Dan Brown. Daran hatte ich kein Interesse, da ich eine – wahrscheinlich – angeborene Abneigung gegen Bestseller habe, welche widerrum nur selektiv zum tragen kommt, denn Harry Potter, Artemis Fowl und derzeitige Krimibestseller schaffen es auch in mein Bücherregal. – Dan Brown schaffte es jedenfalls nicht.
Zumindest so lange, bis meine Mutter mich mit ihm infizierte und ich in der Verlegenheit gefangen war, keine lesbare Alternative zur Hand zu haben. Also las ich – wiederwillig – “Illuminati” und war wirklich erstaunt wie gut es war. Danach las ich alle Dan Brown Bücher und kam so zu den Büchern der Verschwörungskreise. Dieses Thema übersättigte sich wenige Monate später und so stieß ich in der Buchhandlung auf “Fliehe weit und schnell” von Fred Vargas.
Und was soll ich sagen? – Es war sicher nicht der allererste Krimi meines Lebens, dafür allerdings der beste. Es folgten Krimis von Danielle Thiery, Karin Slaughter, Thriller von Hilary Norman, usw. – und nein: kein Henning Mankell; noch so eine selektive Abneigung.
Krimis entführen Menschen in einen unvorstellbaren Teil der Gesellschaft, der exisitiert, den man aber gern – zum eigenen Schutze – der irealen Welt zuordnen möchte. Dabei sterben allein in Deutschland jedes Jahr ca. 400 Menschen durch einen Mord.
Krimis leben gleichzeitig auch nur durch ihren Autor, dessen Einfallsreichtum und natürlich durch die Figuren. Fred Vargas ist sicher eine begnadete Autorin, aber ich mag lediglich die Krimis aus ihrer Feder, die von Kommissar Adamsberg handeln.
Krimis fesseln durch ihre Spannung, manchmal auch durch den Umstand, dass man am liebsten der Hauptfigur eine scheuern möchte, weil ihre Unvernunft und Naivität, ja manchmal ihre bloße Gutmütigkeit, sie in eine Richtung laufen lässt, welche zwar das Buch ausmacht, einen selbst aber fast in den Wahnsinn treibt, weil man in der beruhigenden Position der Allwissenheit schwebt und im Gegensatz zur Buchfigur vorausschauend ahnt, was passieren wird.
Krimis erzählen – im Gegensatz zu Romanen – von den düsteren Gefühlen und Gedanken der Menschheit. Weniger von Liebe und Geborgenheit. Hin und wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken wie krank ein Autor eigentlich sein muss, dass ihm bestimmte – sehr bestialische – Dinge einfallen, die dann im Krimi verarbeitet werden.
Spannung, Angst und Nervenkitzel sowie das gleichzeitige, behütende Sicherheitsgefühl der Unantastbarkeit macht Krimis so interessant. – Aus der Ferne eine Szene beobachten, die einem selbst hoffentlich nie wiederfährt.
Im Rahmen des Krimi Blog-Karneval vom KrimiBlog
Photo im Original von kees0r
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