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Die wirkliche Intention des einzelnen Bloggers,

19. August 2007 # 143 views # 3 Kommentare

lieber Herr Boie (SZ), liegt in dem Gedankengut und den Vorstellungen eines Einzelnen oder in einer Ansammlung von mehreren Personen, die die gleiche Zielsetzung verfolgen. Es wäre anmaßend – basierend auf nur einem einzigen Artikel, der offensichtlich willkürlich ausgewählt wurde, eine allesverstehende und alleserklärende Pauschalbewertung über die Blogosphäre – die sich übrigens gerne so nennt – abgeben zu wollen.

Erkenne ich kleine Schweißperlen auf Ihrer Stirn, wenn sie so weise Sätze schreiben wie – “Die deutsche Blog-Szene will eine Alternative zu den etablierten Medien werden” – weil Sie vielleicht befürchten, ja sogar ahnen, dass dies durchaus der Wahrheit entspricht?

Gesellschaftliche Irrelevanz werfen Sie den Blogs vor. Dabei sind gerade die Weblogs – oder, wie Sie es so abfällig titulieren, die Blogosphäre – der Spiegel der Gesellschaft, der Sie gerne wären. Denn im Gegensatz zu Ihnen, Herr Boie, unterfallen die Artikel hier nicht der Zensur durch den Chefredakteur, weswegen auch durchaus gesellschafts- und politkritische Beiträge den Weg in die Freiheit finden.
Die Menschen haben die Möglichkeit in die unmittelbare Diskussion einzutreten, Meinungen und Gedanken auszutauschen, Weblogs definieren eine neue Form und Weiterentwicklung von Streitkultur und moderner Gesellschaft. Das dem so ist und das Bloggen durchaus auch als sinn- und niveauvoll betrachtet werden kann, haben Ihre sog. Printkollegen ebenfalls festgestellt. Spiegel, Stern, Tagesschau, etc. – sie alle betreiben Blogs.

Dass die Blogosphäre – ich benutze das Wort wirklich selten, aber es macht so Spaß Sie damit zu quälen – ein Spiegel der Gesellschaft ist, drücken Sie in Ihrem Beitrag schon sehr gut aus. Wir sind uns untereinander oftmals nicht grün, viele himmeln die “Alpha-Blogger” an, andere verdammen sie. Es gibt Blogger, die einen sog. Ehrenkodex aufgestellt haben, den sie nicht gern verletzt sehen. Es gibt Diskussionen darüber, ob es schlimm ist, dass Stefan Niggemeier abgemahnt wird oder nicht. Man disst, man lobt, man wirkt interessiert oder eben auch nicht. Es gibt Blogkreise, in die man mit Glück aufgenommen wird oder nicht. Man kann sich etablieren oder man bleibt ein ewiger Blogaußenseiter.
All diese alltäglichen Vorkommnisse und Gegebenheiten, erkennt man in der Blogosphäre wieder. WIR sind ganz normal und können gesellschaftliche Relevanz schon allein deswegen für uns beanstanden, weil WIR Teil der Gesellschaft sind.

Nur die negativen Vorkommnisse der Blogger aufzuzählen, entspricht einer sehr einseitigen Recherche Ihrerseits, Herr Boie. Es gibt durchaus auch sehr sinnvolle Ergebnisse, die durch die Blogosphäre getragen werden, ihr teilweise sogar entspringen. Mobilität gegen Schäuble, Bloggen gegen AIDS, Petition gegen Abmahnwellen. Ja, denn auch Rechtsanwälte haben die gesellschaftliche Relevanz von Blogs erkannt, Herr Boie.

Wir folgen vielleicht nicht der amerikanischen Mentalität, aber wollen wir das überhaupt? Haben Sie mal jemand anderen gefragt als Herrn Schmidt? Zum Beispiel einen weiteren Blogger? Wollen wir überhaupt den Anspruch für uns einnehmen, gegen Printmedien anzukämpfen? Ich glaube nicht! Die meisten wissen um den Kampf gegen zu starke Windmühlen. Betrachten Sie Blogs doch einfach als das was sie sind: Weiterführungen Ihrer Berichterstattung auf einer modernen Kommunikationsebene, die Ihnen als Printmedien weder ans Bein pinkeln, noch Ihren Platz beanspruchen möchten.

via

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3 Kommentare »

  • juliaL49 meinte:

    Herrlich und nix hinzufügen! (danke für das via :-) )
    Ich denke allerdings (hoffe zumindest), dass bald die Begriffe Weblog und Blogospähre einer breiteren Masse bekannt werden.

  • Petra meinte:

    Toller Artikel, den ich nur unterstreichen kann!!! Ich tummle mich gerne in diversen Blogs, weil man immer wieder Denkanstöße zu einzelnen Themen bekommt, über die man sonst vielleicht gar nicht so nachgedacht hätte.

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