Von Bayern bis nach Myanmar – Furunkel gibt es überall!
Renitente Menschen haben es in Gesellschaften oder jedweder Ansammlung von mehr als zwei Menschen schwer. Sie gelten als anstrengend, fordernd, nervend und reizend. Wie ein Furunkel am Hintern nisten sich Rebellen ein. Dass Furunkel in der Regel sehr unangenehm sind, davon kann General Than Shwe ein Lied singen. Seine Furunkel haben entweder kahlrasierte Köpfe und rote Kutten an oder sind weiblich, kurzhaarig und heißen Aung San Suu Kyi.
Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Auch Edmund Stoiber – weggelobter Ex-Ministerpräsident von Bayern – respektive Nachfolger Günther Beckstein hat eins. Aus diesem Furunkel sprießen nicht nur rötlich Haare, nein, es hegt auch noch den Anspruch, die Welt der CSU nicht nur durcheinander zu wirbeln, sondern auch verändern zu wollen.
Beide Furunkel haben etwas gemeinsam: sie sind weiblich, einsam und von Generälen und Ministerpräsidenten ungeliebt.
Macht ist reizvoll. Und wer sie einmal in der Hand hat, läßt sie nur ungern wieder los. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, kann vermutlich jeder nachvollziehen, dass der General es nicht zulassen möchte, den Menschen in seinem Land die Zügel in die Hand zu legen. Da scheint es schon fast bizarr, dass das Militärregime überhaupt zustimmte, dass es demokratische Wahlen geben sollte. Vielleicht glaubten sie aus tiefstem Herzen, dass ihnen das Volk vertrauen würde, dass sie zufrieden wären mit dem, was ihnen die Junta zugestand.
Dem war nicht so. 8o Prozent aller wahlberechtigen Menschen in Myanmar entschieden sich für die Nationale Liga der Demokratie und damit auch für Aung San Suu Kyi. In diesem Moment muss den Militärdiktatoren aufgefallen sein, wie einfältig und dumm ihr “Einlenken” gewesen war und dass sie im Begriff waren ihre Machtstellung zu verlieren. Im Zuge dessen, ignorierte man die Wahl und stellte die Oppositionsführerin unter immer wiederkehrenden Hausarrest.
Auch Gabi Pauli, wie sie liebevoll in der Partei genannt wird, hat es nicht einfach. Erst stürzt sie mehr oder weniger den Edi – die eiserne Bastion des Südens- dann kommt sie laut zum Nachdenken über die Ehen unseres Landes und dann stellt sich sich selbst in die Ecke, als sie bei der Benennung Günther Becksteins aufs Podium tritt und eine vermeintlich flammende Rede hält und manchen ins Gedächtnis ruft, dass sie nicht alleinverantwortlich sei, dass Edmund Stöber gegangen worden ist.
Davon will selbstverständlich keiner etwas wissen, die Ausschlachtung der freigewordenen Posten ist vielversprechender und hilft in der Zukunft mehr, als einem krakeligen Furunkel Aufmerksamkeit zu schenken.
An dieser Stelle mag es seltsam anmuten Gabriele Pauli mit Aung San Suu Kyi vergleichen zu wollen, aber beide Frauen sind ein gutes Beispiel dafür, dass Frauen noch immer belächelt, nicht ernstgenommen und ignoriert werden.
Dabei haben sie beide eine eindeutige Botschaft: Furunkel dieser Welt vereinigt Euch!
Denn wir wissen doch alle: durch die Furunkel dieser Welt, durch die Ungestümen, die Aufschreier, die Rebellen – nur durch sie verändert sich die Welt.
Bild im Featured-Bereich von lucaccica (flickr)
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Yay! Die beiden haben aber auch gemeinsam, dass sie ihre Schattenseiten haben. Pauli hat sich durch ihren Ehe-Vorschlag selber ins Aus manövriert (das war abzusehen) und Aung San Suu Kyi gibt sich heiliger als sie ist. Die genauen Umstände kenne ich nicht, aber ich habe irgendwo gelesen, dass sie mehrmals in den letzten 20 Jahren Gelegenheit gehabt hätte mehr auszurichten, wenn sie kompromissbereiter gewesen wäre.
@juliaL49 :Was ist denn so falsch an Paulis Vorschlag mit der Sieben-Jahres-Ehe?
Wenn ich mir das nur politisch betrachte ist das eigentlich ziemlich gut. Damit hat sie die konservativen Säcke da unten nochmal kurz vor Edes Abgang ordentlich aufgemischt. Und gewinnen wollte sie die Wahl zum Parteivorsitz doch eh nicht. Obwohl, sie ist ja auch schon seit fast zwanzig Jahren (1989) im Vorstand der CSU…
Taxidriver, ich finde den Ansatz der Idee auch sehr gut. Mit ein bisschen Bastelei und Anpassung könnte das wirklich ein Modell mit Zukunft sein.
Nur wird das im erzkonservativen Bayern von der Mehrheit (den CSU-Wählern und -Mitgliedern) nicht so gesehen. Daher meinte ich, dass sie sich ins Aus manövriert hat. Wenn sie zur Vorsitzenden gewählt werden möchte, dann sollte sie es sich nicht vorher mit den Wählern verderben
Aber genau, dass ist es was mich stört. Willst Du etwas werden musst Du Dich anpassen. Immer nur anpassen. Mit neuen Ansätzen haben alteingesessene doch immer ein Problem. Pauli sollte sich wahrscheinlich nicht nur eine andere Partei, sondern auch ein neues Bundesland für ihre politische Karriere suchen. In Bayern wird sie nix mehr. Da haben es Männer aus unerfindlichen Gründen einfacher. Schaut Euch Kohl, Koch und Stoiber an. Scheiße verzapfen, ein paar Jahre ins Land ziehen lassen und dann zurückkehren, als wäre nie was gewesen. Dann kommt man für den Friedensnobelpreis in Frage, wird Ministerpräsident oder bekommt eine “hübsche” Statue zur Wiedervereinigung.
Ich denke, das nicht nur die erzkonservativen Bayern ein Problem mit Frau Paulis Vorschlägen und Auftreten haben. Was ging doch für ein Aufschrei durch die Republik, als der Stern diese Fotos mit den Latex-Klamotten veröffentlicht hat. Seltsam ist nur, das die Frau bundesweit erst letztes Jahr aufgefallen ist, als Sie den “ehrwürdigen” Ede kritisiert hat (und das zu recht). Und Landrätin, vor allem eine, die wiedergewählt worden ist, wird man/frau auch nicht einfach so. Dafür müssen vorher Wähler überzeugt werden.
D.h. in meinem Verständnis von Politik, dass sie sich schon eine lange Zeit sehr wohl angepasst hat. Schade nur, das Gabriele Pauli und ihre Berater den Moment überschätzt haben um ihre politische Richtung zu ändern und auf “Rebellin” zu schalten. Leider werden Leute, die neue Ideen offen aussprechen, immer belächelt. Das ist leider so.
Und zu Kohl und Konsorten fällt mir auch echt gar nix mehr ein. Wer meint er könnte über oder neben dem Gesetz leben, nur weil er eine Zeit lang zum Volksvertreter Nummer Eins gewählt worden ist, der ist für mich gestorben.
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