.gedanken am freitag
Ich war heute bei IKEA. Auf dem Rückweg habe ich mir Gedanken um Al Gore gemacht. Das dies nicht gerade ein Hobby von mir ist, läßt sich sicher durch die heutige Meldung deutlich machen, dass er den Friedensnobelpreis zugesprochen bekommen hat.
Nun könnte ich in Reich-Ranicki-Art („Ich finde sie bedauerlich“) lästern und mich laut fragen, was Umweltschutz oder Engagement im Bezug auf den Klimawandel denn mit Frieden zu tun hat.
Gerade im politischen oder wirtschaftlichen Sektor stößt man bei diesen Themen oftmals auf taube Ohren. Länder – gern das aus dem Al Gore selbst stammt und dem er gern auch vorgestanden hätte – demonstrieren in umweltpolitischen Themen gerne ihre Macht zur Ohnmacht. Stillstand per excellance.
Man könnte also behaupten Umweltschutz ebnet eher den Weg zu Eklats, Streitereien, aber selten zu Einvernehmen.
Ein Freundin sagte heute zu mir: Da hat der den Friedensnobelpreis bekommen für sein Engagement im Klimaschutz und düst ständig mit Flugzeugen durch die Gegend.”
Stimmt. Das ist ein bisschen widersprüchlich. Aber würde er mit dem Schiff fahren, würde er weniger erreichen können, denn wer wartet schon drei Wochen auf einen ehemaligen Vize-Präsidenten?
Dennoch frage ich mich, inwiefern wir Menschen wirklich bereit sind unsere Bequemlichkeiten oder unsere Gewohnheiten abzulegen, um unseren persönlichen Beitrag für die Umwelt zu leisten?
Auf das Auto verzichten? – Neee, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, das ist Folter.
Den PC weniger nutzen? – Och, was soll ich den sonst mit meiner Freizeit anfangen?
Energiesparlampen? – Die häßlichen Dinger?
Müll trennen? – Das landet doch eh auf der selben Mülldeponie.
Das Wasser während des Duschens abschalten, wenn man sich einseift? – Nee, dann ist das Wasser so kalt, wenn ich es wieder andrehe.
Solche Ausreden kennen wir doch alle zu genüge. Ständig reden wir uns selbst ein, dass das bisschen was wir tun können, keinen großen Nutzen für die Welt haben wird. Aber dieses bisschen das wir gegen den Umweltschutz handeln, hat sich in seiner Gesamtheit in vielen Jahren zu dem entwickelt, was es heute ist. Würde man nun also über all die Jahre wieder mehr auf die Dinge achten, würden sie in ihrer Gesamtheit vielleicht zu einem Ergebnis führen – wenn auch viel zu spät.
Ich bemühe mich wirklich, aber hin uns wieder ist es eben bequemer, den Müll nicht zu trennen, lieber das Auto zu benutzen, als zu Fuss zu gehen. Ja und den PC – von dem kann ich mich am wenigsten trennen.
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Hm, mich hat Al Gore auch schon mal zu einer Tirade gegen seine Scheinheiligkeit gereizt:
http://www.karmataxi.de/index.php/2007/07/06/wir-raten-davon-ab-privatjets-zu-benutzen/
… unter uns, mir ist heute auch nicht so klar gewesen, was man mit Umweltschutzpredigen zum Weltfrieden beiträgt.
Zwei Dinge:
1. Auch Kleinvieh macht Mist. Von daher sind kleine Beiträge jedes Einzelnen nicht verkehrt. Aber solange die Großen nicht mitmachen ist es fast aussichtslos. Deshalb gehört auch zum Mitmachen, dass man “irgendwie” die Industrie zum Mitmachen bewegt (das würde jetzt den Kommentar sprengen).
2. Klimaschutz hat sehr wohl etwas mit Frieden zu tun. Wer arm ist, leidet mehr unter den Folgen des Klimawandels und das birgt gewaltiges Konfliktpotential! Eine erfolgreiche Klimapolitik kann Kriege verhindern!
Aus dieser Perspektive habe ich es noch gar nicht betrachtet, Julia. Aber da sicher etwa wahres dran. Ich werde mir darüber Gedanken machen.
@taxidriver: habe mir Deinen Artikel durchgelesen und gebe Dir vollkommen recht. Ein bisschen wiedersprüchlich kommt es einem vor. Wenn diese Globalkonzerte dann auch etwas bringen würden.
Aber wie sagte schon Schäuble vor dem G8 Gipfel. “Lasst die Leute doch einfach demonstrieren, das kompensieren wir schon”.
Auf Deutsch: es interessiert keine Sau, ob man da steht oder nicht. Aufgrund dieser Mentalität ändert man auch leider nichts oder zumindest nicht viel.
@Julia: Dein zweiter Punkt macht Sinn. So habe ich das auch noch nicht betrachtet. Wobei für mich immer noch eher Leute, die sich direkt für die Menschenrechte und/oder Konfliktlösungen einsetzen eher für einen Friedensnobelpreis in Frage kommen. Aber das ist nur meine Meinung.
@Dany: Wie in meinem Artikel geschrieben, fange ich bei mir schon an mit dem Energiesparen, erhebe aber keinen Anspruch, dass das alle anderen auch machen sollen. Zum Beispiel ist der beschriebene Fernseher tatsächlich am nächsten Tag nicht mehr angegangen. Geplant war das nicht, aber schon ein lustiger Zufall, dass das Ding am Welt-Umwelt-Aufmerksamkeitstag seinen Dienst quittiert. Ich war so frei und habe bis heute nicht für Ersatz gesorgt (Wozu hat man sonst ein TV-Empfangsteil am Rechner…) und bedaure es überhaupt nicht. In meinen Augen zählt schon der Einzelne, aber man ist ja als Mensch gerne faul und verzichtet nur schwerlich auf Bequemlichkeiten.
Bei mir mischt sich immer Hilflosigkeit mit Wut.
Einerseits schlägt man sich mit ekelhaften Dingen wie Biomüll rum, trägt brav sein Altglas durch die halbe Stadt, steht etwas ratlos vorm Container, weil man nicht weiß, wohin mit Deckeln (Metall!), und sieht geduldig über ungemütliches Energiesparlicht hinweg – um nur einige Punkte zu nennen.
Auf der anderen Seite sieht man Reportagen über Amerikaner, deren Autos gerne auch mal etwas geräumiger und durstiger sein dürfen. Spare ich hier den Dreck ein, damit dort rumgesaut wird?!
Ich weiß, dass das nicht 100%ig vernünftig ist, trotzdem wurmt es mich, wenn ausgerechnet ein Ami dafür den Nobelpreis bekommt, dass dort mit 20 Jahren Verspätung über Umweltschutz gesprochen wird. Und auch nur gesprochen…
Nun, wenn man es so betrachtet, Clamix, dann wäre mir das etwas zu pauschal. Man kann das Engagement eines Amerikaners nicht klein machen, nur weil sein eigenes Land politisch gesehen nicht in der Lage oder wohl mehr in der Laune ist, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen.
Leonardo DiCaprio setzt sich auch seit Jahren für den Umweltschutz ein und versucht Politiker seines Landes von diesem Vorhaben zu überzeugen. Kann ich ihm das madig machen, weil er Amerikaner ist?
Aber wenn man es als Ehre für ganz Amerika betrachtet, dass Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten hat, dann gebe ich Dir Recht: dann fängt es an zu wurmen.
Also meine Freunde drüben bei Apple sind gerade mächtig stolz auf “ihren” Al Gore. Der Mann sitzt ja im Aufsichtsrat der Firma. Seit Freitagabend wird man auf der Website http://www.apple.com mit folgenden Worten begrüßt:
“Al has put his heart and soul, and much of his life during the past several years, into altering and educating us all on the climate crisis. We are bursting with pride for Al and this historic recognition of his global contributions.”
Ich denke schon, das einige Amis sich schon mit Recht über diese Auszeichnung freuen. Diejenigen, die auch aktiven oder passiven Umweltschutz betreiben. Doch das werden im Großen und Ganzen nur ein sehr geringer Teil der Gesamtbevölkerung sein. Nämlich die Intellektuellen an der Ost- und Westküste. Aber, immerhin!
Also auch hier, im Kleinen wirken und/oder wie Al Gore und Leo DiCaprio seinen Bekanntheitsgrad für die “Awareness” einsetzen ist doch auch schon mal ein Anfang. Es gibt ebenso wenig nur DIE Amerikaner, wie es nur DIE Deutschen gibt.
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