Lieder mit Geschichte #1
Es gibt Lieder, die unterstehen einem gewissen akustischen Reifeprozess. Dieser widerrum kann unterschiedlich ausgeprägt sein: kurzfristig und langfristig.
Wer nun fragend auf die obigen Zeilen starrt und nicht recht versteht was ich sagen will, dem sei dies im Folgenden erläutert:
Der kurzfristige Reifeprozess
Der neuste Hit auf EinsLive – meiner täglichen Dosis Lokalpatrotismus – wird das erste Mal gespielt. Nach den ersten Tönen schalte ich zerknirscht zum Winzerhinterwäldler Sender RPR 1 um und lasse meine Ohren mit den schwachsinnigen Kommentaren der Moderatoren malträtieren. Eine Liedlänge später wird wieder umgeschaltet.
Beim nächsten Mal EinsLive und dem oben nicht näher genannten Lied wippt der Kopf schon ein bisschen mit und einen kurzen Moment senden die Gehirnzellen das Signal: das kenne ich doch – achja, das ist diese komische Lied von letztem Mal.
Beim dritten Mal überlege ich mir dann, warum findest Du das Lied denn so sch****? Ist doch gar nicht so schlecht.
Manchmal dauert es aber eben nicht nur drei Liedlängen bis man sich mit einem Lied anfreunden kann, manchmal bedarf es jahrelanger Abstinenz bis man den Titel irgendwo durch Zufall hört und plötzlich denkt: wie geil ist das denn? Dann stellt man fest, dass man den Song vor zehn Jahren als den GAU des Jahrhunderts empfunden hat und kann seinen eigenen Musikgeschmack nicht mehr nachvollziehen.
Eine damals sehr gute Schulfreundin von mir war sehr großer “Heroes del Silencio”-Fan. In unserem gemeinsamen Spanienurlaub, den wir uns zum Realschulabschluss gönnten, lief die ganze Zeit “Entre dos Tierras”. Damals hätte ich bei jeder Note kotzen können.
Heute flippe ich förmlich vor Glück aus, wenn das Lied im Radio oder auf irgendeiner Party gespielt wird. Jaaaa.
Mittlerweile muss ich zugeben, dass dieses Lied für mich zu den Besten aller Zeiten gehört.
Heroes del Silencio – “Entre dos Tierras”
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