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30

18. Juli 2008 # 1,240 views # 1 Kommentar

Was haben Nelly Furtado, Daniel Brühl, Katherine Heigl, Alexandra Maria Lara, Charlotte Roche, Dirk Nowitzki, Oliver Pocher und ich gemeinsam? – Richtig, wir wurden alle im Jahre 1978 geboren.
In einem anderen Jahrhundert, ja sogar in einem anderen Jahrtausend. Aufregend mag man denken, komisch wird es sich anfühlen, wenn es denn dann am 24. August bei mir soweit ist.

30 war für mich immer diese Hürde zum Alt werden. Mit 30 Jahren ist man weder jung noch kann man tatsächlich behaupten, dass man alt sei. Das Vierteljahrhundert bereits vor Langem abgeschlossen, das halbe Jahrhundert fest im Blick werden die nächsten 20 Jahre an mir vorüberziehen und ich werde es erleben, mich erinnern, zurückblicken. 20 Jahre können lang sein. Ich erinnere mich jedenfalls nicht mehr, wie es mit 10 war. Was habe ich da gemacht, wer waren meine Freunde, was waren meine Ängste, meine Träume?
Mit 10 Jahren wechselte ich von der dritten in die vierte Klasse einer wunderbaren Grundschule in Bonn Kessenich. Eine glückliche Zeit in der ich es tatsächlich nur zweimal absichtlich versäumte meine Hausaufgaben zu machen. Dies sollte nie mehr so sein. In der vierten Klasse verließ ich die Grundschule mit einer Eins in Mathe und schlitterte 3 1/2 Jahre durch das Gymnasium, bis andere für mich entschieden, dass die Realschule besser für mich sei.
Mit 20 Jahren steckte ich in meiner ersten Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau (*gähn). Und dann begannen die letzten spannenden 10 Jahre.

Wahrscheinlich sind genau diese 10 Jahre zwischen dem Twen und dem Thirty-something die prägensten und volatilsten. Für viele Gedanken, Einstellungen und Entscheidungen schäme ich mich rückwirkend. Heute würde ich vieles anders machen. Aber auch nur der Erfahrung meiner Fehler wegen. Ich bin gereift, ich werde weiter reifen. Trotzdem behagt es mir nicht sonderlich in meiner Haut. 30 werden ist nicht schwer, 30 sein dagegen sehr. Könnte man formulieren bei mir verhält es sich anders. Für mich ist das 30 werden schon seit 16 Jahren ein Thema.

Meine beste Freundin lernte ich mit 14 Jahren kennen. Eines meiner ersten emotionalen Geständnisse belief sich darauf, dass es nur noch 16 Jahre bis zu meinem 30 Geburtstag seien. Dieses Statement verfolgt mich nun seit dieser Zeit.
Zu meinem 22. Geburtstag bekam ich von besagter Freudin einen Kalender geschenkt, der entgegen der allgemeinen Zeitrechnung nur bis ins Jahr 2008 reicht und zwar genau bis zum 24.08.
Das ist fast acht Jahre her! Seitdem streiche ich brav Monat für Monat bis zum “Death Day” weg. “Death Day” deswegen, weil wir mal einen Film mit Sarah Jessica Parker gesehen haben, in dem sich zwei Freunde versprechen einander zu heiraten, wenn sie mit 30 nicht bereits verheiratet sind. Bei denen hieß der Stichtag eben “Death Day”.

Und so stehe ich dem Leben hilflos gegenüber. Von Kontrolle kann nicht die Rede sein. Ich kann kontrollieren, was ich zu mir nehme – wenn mich nicht gerade die eiserne Faust des Zuckerverlockers im Anschlag hat -, ich kann entscheiden, welche Sendung ich mir im Fernsehen ansehe, ich suche mir die Bücher selbst aus, in gewissem Maße sogar die Menschen mit denen ich verkehre. Aber das Leben und sein kontinuierliches Weiterschreiten, das Vorankommen, das Zerfließen der Jahre – ja das Alt werden: dem kann ich nur passiv zu sehen und es über mich ergehen lassen.

Es kommt öfters vor, dass ich auf der Kante meines Bettes verweile und mich innerlich frage, ob andere Menschen sich auch mit den gleichen düsteren Fragen belasten. Manchmal spreche ich es auch laut aus – als würde das etwas an der Situation ändern.
Das obskure an der Sache ist: am 25.08. werde ich mich vermutlich nicht anders fühlen als heute. Das Leben wird immer noch genauso sein wie heute. Und trotzdem! In mir wird etwas passiert sein. Und wenn nicht in mir, dann beweist es immer noch mein Personalausweis: 30…

Bild im Original von Tomas Rawski (flickr)

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1 Kommentar »

  • TaxiDriver meinte:

    Au Weia! Das sind ja arg trübe Gedanken. Und alles nur wegen einer Zahl in deinem Ausweis. Ich habe schon zum dritten dieses Jahr mein Dreißigsten Mitte Mai gefeiert. Waren damals echt noch viele Leute aus unterschiedlichen Lebensabschnitt zum Feiern gekommen, so habe ich mich diese Jahr nur mit meinen aktuellen Freunden/-innen umgeben. Das macht alles sehr viel erträglicher, denn die Gesprächen gehen immer um das “Hier und Jetzt” oder drehen sich gar um die gemeinsame Zukunft. Da merkt man richtig, dass man jeglichen “Death Day” weit hinter sich gelassen hat und das Leben in vollen Zügen genießen kann.

    Ich würde mich freuen, wenn es doch noch ein Freudentag für dich wird und kein Horrordatum. Es ist alles eine Frage der Perspektive. Erinnerung an Vergangenes sollte uns immer für eine unklare Zukunft stärken. Auf das du noch 100 Jahre alt wirst! Cheers! :)

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