Kultur – Fatihland
In meinem Urlaub, den ich dieses Jahr an der guten, alten, deutschen Nordsee verbracht habe (über das Wetter spreche ich einfach mal gar nicht), konnte ich eine kabaretettistische Neuentdeckung machen. In dem kleinen Örtchen Neuharlingersiel, dass sich Nordseebad nennen darf, trat nämlich im Rahmen des Kulturprogrammes zur Anheizung des Tourismus Fatih Çevikkollu mit seinem Programm “Fatihland” auf. Die Karten kosteten “nur” 12 Euro. Für einen Städter wie mich quasi geschenkt. Einige Tage grübelte ich noch, ob ich es wagen sollte, einen Abstecher in den Kursaal zu machen, da das so nach Kaffeefahrt-Event klang.
Das Siegel “Gewinner des Prix Pantheon 2006″ überzeugt mich dann doch. Der Prix Pantheon ist nämlich ein Bonner Kleinkunstpreis im Bereich Kabarett, der vom berühmten Herrn Pause moderiert wird (der von Pink Punk Pantheon – der etwas anderen Karnevalssitzung).
Getreu dem Motto aller Bonner: wat aus Bonn kütt is’ och joot, kaufte ich eine Karte und begab mich in den Kursaal.
Und das hat sich sowas von gelohnt.
Aber um mal allen Nicht-Bonnern und Nicht-Umgebungsbewohnern zu sagen, wer denn Fatih Çevikkollu überhaupt ist: einigen oder den meisten wird er als Murat aus “Alles Atze” bekannt sein. Sein erstes Soloprogramm ist Fatihland, dass nun von “Komm zu Fatih” abgelöst werden soll.
In seinem Programm verwurstet Fatih viele Vorurteile gegenüber Türken und Moslems, diskutiert über die Absurdität des “Moslem-TÜV” aka der Gesinnungsprüfung bei der Einbürgerung eines türkischen Bürgers und erklärt, was die Türken von den Deutschen halten oder was die Deutschen eigentlich ausmacht. Dies geschieht so charmant, so witzig und spritzig, dass man desöfteren aufspringen und in Fatih’s Arme fallen möchte. In einem kommunikativen Dialog mit dem Publikum debattiert er über die alltäglichen politischen Defizite beim Thema Einbürgerung und Integration und schreckt auch vor klaren und manchmal sehr drastischen Aussagen nicht zurück. Menschen, die bei der deutschen Historie keinen Spaß verstehen, dürfte dieses Programm eher verärgern, wer aber mal einen Abend Abstand von dem ewigen Stempel “Nazideutschland” braucht und Tränen lachen will, der ist hier gut aufgehoben.
Bild im Original von Midnight digital (flickr)
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