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Der Wert eines Menschen…

29. September 2008 # 178 views # 2 Kommentare

Wenn ich täglich die Schlagzeilen der eingängigen Nachrichtenseiten lese, vergeht selten ein Tag an dem nicht eine Schlagzeile in Zusammenhang mit einem Bombenattentat oder einem Selbstmordattentat aufgelistet wird.
Erschreckend dabei finde ich allerdings die Tatsache, dass ich mittlerweile dazu neige, die Nachricht zwar zur Kenntnis zu nehmen, sie aber schon lange nicht mehr realisiere. Ich blättere einfach weiter und lese ganz nebenbei, dass in China ein Sack Reis umgefallen ist. Einen Moment verweilen meine Augen auf der China-Nachricht, mein Mund windet sich zu einem Lächeln. Ich schüttle den Kopf und denke: Sachen gibt’s. Da ist das Attentat schon längst vergessen.

Das Attentat legt sich – wie von selbst – in der gleichen Gehirnschublade ab, wie die Information zum Abendbrot.
Ich erschrecke mich in so lichten Momenten wie eben vor mir selbst. Ja wirklich. Hätte ich einen Spiegel vor mir stehen, würde ich mich angeekelt beäugen und eine gewisse Antipathie entwickeln.

Wird das Menschenleben das ausgelöscht wurde, denn von der Quantität der Zustände im Irak oder in Afghanistan weniger wert? Habe ich nicht den Anstand beigebracht bekommen, jedes Menschenleben zu bedauern, dass sinnlos ein Ende fand – unabhängig davon, ob es jeden Tag vorkommt.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Kann es also wirklich sein, dass mein Geist und meine Wahrnehmung so sehr abstumpfen, nur weil ich jeden Tag die gleiche Nachricht lese?
Könnte es in diesem Zusammenhang nicht auch sein, dass wenn an jedem Tag ein Flugzeug in ein hohes Gebäude stürzt, ich mir nach drei Tagen denke, es sei normal und lediglich darauf achte mich nicht in einem Gebäude aufzuhalten, dass mehr als 10 Stockwerke hat?
Möglicherweise – aber in unserer behüteten Gesellschaft eher unwahrscheinlich – handelt es sich um einen gewissen Selbstschutzmechanismus. Ich verdränge den Akt des Terrorismus, der in einer fanatischen Seele seine Richtigkeit gefunden hat und vehement von ihr – ohne Blick für die Konsequenzen – durchgeführt wird und somit die Tatsache, dass es Menschen gibt, die vollkommen blind für moralische und ethische Verhaltensweisen sind.
Verdrängen muss ich das, weil ich sonst hysterische Verhaltensauffälligkeiten entwickeln könnte, obschon der Gestörtheit einiger menschlicher Individuen. An dieser Stelle müsste man – selbst redend – eine klare Definition davon aufstellen, was menschliche Individuen sind bzw. was sie ausmacht. Ist es nur der aufrechte Gang und der Ansatz eines menschlichen Gehirns oder sollten auch alle psychologischen Aspekte einbezogen werden – also die viel beredete Eigenschaft zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch unterscheiden zu können? Viele Menschen scheinen mir nämlich eher wie tollwütige, hasserfüllte und Raubtierinstinkt-folgende Bestien in einem menschlichen Körper zu sein. Die nicht denken, nur handeln. Einer sagt – sie tun.

Woher kommt also diese „neugeborene” Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer Menschen bzw. der Verlust der Sensibilität für solche Nachrichten?

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2 Kommentare »

  • beetFreeQ meinte:

    Neugeboren ist da meiner Meinung nach das falsche Wort. Diese Gleichgültigkeit gab’s schon immer, sie ist nur je nach Vorkommen von Gewalttaten etc. unterschiedlich stark. In den letzten Jahren ist Terrorismus zu einem so alltäglichen Thema geworden wie der Wetterbericht. Deshalb nehmen wir das – wie du schon sagst – als Schutzmechanismus nicht mehr so extrem wahr. Ich bin mir sicher, dass das aber zu anderen Zeiten, in denen ähnliche Zustände herrschten (erster Golfkrieg etc.), genauso war.

    Im Endeffekt ist es schon schlimm, dass wir in der Hinsicht abstumpfen. Aber noch viel schlimmer ist es ja, dass es überhaupt einen Grund gibt, abzustumpfen…

  • Dany (admin) meinte:

    Ich bin Deiner Meinung: abstumpfen ist nichts Neues. Ich revidiere somit das Wort aus dem letzten Satz…
    Allerdings bin ich auch der Meinung, dass wir es uns eigentlich nicht so leicht machen dürften. Klar, würden wir uns von morgens bis abends Gedanken über die Aids-infizierten Kinder in Afrika machen oder an die hungernden Kinder in Indien denken, würden wir unseres eigenen Lebens nicht mehr froh.
    Ich weiß, dass es naiv klingt was ich gesagt habe. Ich weiß auch, dass ich mit diesen Gedanken die Welt nicht ändere, aber manchmal bin ich über unsere Gesellschaft und die Menschheit im Allgemeinen – so pathetisch es auch klingen mag – extrem erschrocken.

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