Songbird #1: Songbird vs. MediaMonkey
Nachdem ich von Julia ja MediaMonkey wärmstens ans Herz gelegt bekommen habe und diese Freeware auch verstärkt die letzten Monate genutzt habe, bin ich irgendwann durch Zufall auf Songbird gestossen. Nicht, dass ich vorher nie etwas von dem Produkt aus dem Hause Mozilla gehört hätte, aber: was der Bauer nicht kennt, nutzt er nicht.
Dieser Engstirnigkeit möchte ich – zumindest zu Gunsten eines (Vergleichs-)Tests – kurzfristig ein Ende setzen und meine Erfahrungen mit Songbird hier mitteilen.
Früher war es aus unerfindlichen Gründen nur wichtig, dass man Musik ressourcenschonend abspielen konnte. Da waren Design und Funktionalität eher nebensächlich – hauptsache es kamen Töne aus dem PC. Heute haben wir alle andere – höhere Ansprüche an unsere Musiksoftware. Sie sollte nebenbei noch einige nützliche Funktionen untersützen wie z.B. Album Cover anzeigen oder Songtexte ausgeben.
WinAmp reichte da schon bald nicht mehr aus. Den WindowsMediaPlayer empfand ich persönlich schon immer zu unhandlich und -praktisch. Zwischendurch testete ich iTunes, aber – peinlich, peinlich – ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch auf diesem Planeten, der die überwältigende Anzahl von Funktionen von Apple nicht kapiert und deswegen schlichtweg überfordert ist. Als mir iTunes dann auch noch meine mp3-Tags, die ich liebevoll gepflegt hatte, umstrickte und meine Ordnerstruktur auf den Kopf stellte, flog die Installation wieder von der Festplatte. Der rettende Tipp war dann MediaMonkey. Und: viel auszusetzen gibt es nicht wirklich.
Trotzdem gefällt mir Songbird bspw. optisch sehr gut und für mich als visuell strukturierten Menschen ist das schon ausreichend, dem MediaMonkey abtrünig und dem Songbird zugeneigt zu sein. Allerdings zwinge ich mich auch den funktionellen Umfang zu beleuchten.
Neben der Optik sollen die folgende Funktionen, die der MediaMonkey in der Free-Version unterstützt, als Richtschnur zur Bewertung gelten:
- Musikmanager (ich nehme an, damit ist die Bibliothek gemeint)
- Mediaplayer mit Unterstützung für bspw. mp3, OGG, WMA, etc.
- Equalizer/Lautstärkeanpassung
- Party Modus und AutoDJ
- CD Ripper
- Formate umwandeln
- Dateien automatisch umbenennen / organisieren
- Automatisches taggen und Herunterladen von Album Covern
- Duplikate und vermisste Songs finden
- Manager für Playlisten autom. Mixe
- Erzeugt Reports und Statistiken
- Persönliche Anpassung durch Scripte
- iPod und mp3-Player Unterstützung
- integriertes CD/DVD brennen (Audio und Daten) bis 4x in der Free-Version
Darüberhinaus sollte die Handhabung und die Übersichtlichkeit komfortabel und einfach sein und die Angebote herausgestellt werden, die MediaMonkey nicht anbietet. – Los gehts:
Songbird ist gerade in der neuen Version 1.0 erschienen, wird durch etliche Add-ons gestärkt und hat auch stylisch einiges zu bieten.
Allerdings folgt die Ernüchterung nach einigen Schritten auf den Fuss. Am besten sagt man es gerade heraus – ohne Umschweife und die berühmten Worte rund um den heißen Brei:
Songbird ist kein typischer Musikplayer und einige Abstriche beim typischen Gebrauch müssen gemacht werden.
So kann Songbird keine CDs abspielen, nicht rippen und schon gar nicht brennen. Das sind eigentlich schon die absoluten K.O.-Kriterien, aber Songbird leistet dafür an anderer Stelle gute Arbeit. – Aber der Reihe nach.
Musikmanager (Bibliothek)
Nachdem Songbird die gewählten Ordner der Festplatte nach Musikdateien durchforstet hat, werden diese sehr übersichtlich dargestellt. Auf verschiedenen Blogs habe ich mir sagen lassen, dass iTunes Nutzer mit dem Handling überhaupt keine Probleme haben dürften.
Die Bibliothek lässt sich standardmäßig über zwei Ansichten steuern. Einmal über die herkömmlich Listenansicht und über die 3-Listenansicht. Dabei kann man nach Genre, Album und Interpret aufschlüsseln lassen. In der Auschlüsselung ist es dann möglich jede Menge Daten zu den einzelnen Tracks anzeigen zu lassen – insofern die Daten vorhanden sind.
Zusätzlich zu den beiden Listenansichten ist es allerdings auch möglich die Erweiterung MediaFlow zu installieren, um über den allseits beliebten und iTunes auszeichnenden Cover-Flow zu navigieren. (Zu den verschiedenen Erweiterungen komme ich an anderer Stelle noch ausführlicher.). Weitere Ansichten können durch die zusätzliche Installation von Add-ons optional herbeigeführt werden (hierzu später mehr).
Die Bibliothek kann auch sehr einfach und schnell über die integrierte Suche durchforstet werden. Bereits während der Eingabe werden die Suchergebnisse dynamisch im unteren Abschnitt angezeigt (gilt allerdings nur für die Listenansichten).
Mediaplayer mit Unterstützung für bspw. mp3, OGG, WMA, etc.
Erfüllt Songbird. Neben MediaMonkey ist Songbird auch der einzige Musikplayer der meine Napstertitel abspielt. Allerdings muss dafür die Erweiterung “Windows Media Playback” installiert sein. Dies ist allerdings seit 0.6 automatisch der Fall. Es sei denn man verhindert dies bei der Installation.
Equalizer/Lautstärkenanpassung
Gibt es derzeit nicht. Ich habe auch kein entsprechendes Addon gefunden. Kleiner Trost: die Entwickler haben diesen Wunsch der Nutzer für folgende Versionen auf ihre Liste genommen.
PartyModus und AutoDJ
Ich habe mit dieser Funktion in MediaMonkey noch nie gearbeitet. Der PartyModus verändert den Zugriff bzw. die Ansicht des MediaMonkey und verwandelt ihn in ein Vollbild. Äh,… ja.
Mit dem AutoDJ lassen sich Playlisten anlegen, die nach bestimmten vom User festzulegende Kriterien automatisch durch MediaMonkey erstellt werden. Sicher ganz lustig, aber meiner Meinung nach reicht in solchen Fällen die Shuffle-Taste vollkommen aus.
CD-Ripper
Einen integrierten CD-Ripper liefert Songbird leider nicht mit und es gibt auch keine Erweiterung, die diese Funktion nachträglich einbauen lässt. Hier wird auch zum ersten Mal deutlich, dass Songbird eigentlich noch in den Kinderschuhen steckt. Songbird zu dem Musik-Player schlechthin zu machen, wäre nämlich gar nicht so schwer, wenn er gängige Features bieten würde, die ergänzend zum momentanen Leistungsvermögen Songbird zur Allzweckwaffe machen würden.
Formate umwandeln
Kann das kleine Federvieh ebenfalls nicht.
Dateien automatisch umbenennen / organisieren
Klickt man einen bestimmten Titel mit der rechten Maustaste an, öffnet sich mit “Bearbeiten” ein Menu, in dem sich nach belieben taggen läßt. Luxustuning wie automatisches Taggen oder taggen mit Hilfe des Internets (Amazon) wie bei MediaMonkey ist nicht möglich. Wer diese Abstriche aber hinnimmt, wird mit den Tag-Möglichkeiten zufrieden sein.
Automatisches taggen und Herunterladen von Covern
Wie gerade eben schon erwähnt unterstützt Songbird kein automatisches taggen. Es ist also noch richtige Handarbeit gefragt. Bei den Möglichkeiten die Taggin-Software heute bietet setzt sich niemand mehr stundenlang hin und benennt Musikdateien.
Auch das Herunterladen von Covern muss man Songbird manuell bewerkstelligen. In den früheren Versionen nutzte man dazu AlbumApplet oder den AlbumArtManager. Beide Add-ons sind seit dem Versionssprung auf 1.0 leider nicht mehr verfügbar. Hier muss dringend nachgebessert werden bzw. sich ein User finden, der ein Add-on programmiert. Allerdings bin ich auf eine Erweiterung aufmerksam geworden, die für das Laden von Covern last.fm heranzieht.
Duplikate und vermisste Songs suchen
Um gelöschte oder verschobene Songs oder doppelte Platzhalter ausfindig zu machen gibt es die Erweiterung “The Exorzist“. Über eine Ansichtsvariation können die Lieder angezeigt und bearbeitet werden.
Manager für Playlisten/automatische Mixe
Songbird erstellt Wiedergabelisten nach bestimmten Kriterien (zuletzt gespielt, am besten bewertet, etc.). Eigene Wiedergabelisten können problemlos erstellt bzw extern geladen werden. Außerdem bietet Songbird die Funktion “Intelligente Wiedergabeliste” an, in der Kriterien für das Abspielverhalten festgelegt werden können. Dies wiederrum könnte von Anhängern des Auto-DJ des MediaMonkeys ausprobiert werden.
Reports und Statistiken
Können nicht erstellt und abgelesen werden. Allerdings ist die Einbindung von last.fm sehr gut, so dass die eingeschränkten Möglichkeiten der Statistiken über Umwege abgelesen werden können.
Persönliche Anpassung durch Scripte
Nun, dies ist der Punkt bei dem Songbird MediaMonkey definitiv den Rang abläuft. Ebenso wie bei Firefox locken bei Songbird viele verschiedene Erweiterung für die unterschiedlichsten Belange zum installieren, ausprobieren und behalten. So können Songtexte im Player angezeigt , Informationen über den Künstler abgelesen und Konzerttermine herausgefiltert werden. Die Einbindung von last.fm in den Songbird scheint eins der zentralen Anliegen der Nutzer geworden zu sein. Da Songbird mittlerweile in einer stabilen Version läuft, werden sicher viele Erweiterungen hinzukommen.
iPod und mp3-Player Unterstützung
Auch für diese Sparte bietet Songbird Erweiterungen an. Ich habe diese allerdings noch nicht auf Funktionalität hin überprüft, werde meine Erfahrungen allerdings in einem der nächsten Beiträge zum Thema vertiefen. Vom Grundsatz her, ist die Unterstützung aber vorhanden.
Integriertes CD/DVD brennen (Audio und Dateien) bis 4x in der Free-Version
Nope. Kann der Songbird nicht, wird er aber – wenn man den Entwicklern und ihrer Road-Map Glauben schenken darf gemeinsam mit dem rippen – in den nächsten Versionen kommen.
Da Brenner heutzutage aber mehr leisten können, als eine Brenngeschwindigkeit von 4x, unterstelle ich dreist, dass die Funktion des MM eh nicht genutzt wird. Für das Brennen an sich gibt es auch mittlerweile sehr gute Freeware-Alternativen zum beliebten Nero (z.B. CDBurner XP – welches selbstredend auch für Vista zu gebrauchen ist).
Als Zwischenfazit kann ich an dieser Stelle nur feststellen, dass die Funktionen des Songbird im direkten Vergleich mit dem MediaMonkey noch erheblich zu wünschen übrig lassen. Dafür kann Songbird von dem Vorteil der Erweiterungsmöglichkeiten profitieren, was ihn bei fortlaufender und wachsender Fangemeinde sicher zu einem vergleichbaren MediaPlayer werden lassen kann.
Eine Entscheidung gegen oder für den Songbird ist sicher auch eine Festlegung der Prioritäten im Nutzungsverhalten des Anwenders.
Ein endgültiges Fazit möchte ich erst am Ende der Testphase und am Ende dieser Beitragsserie ziehen. Bis dahin werden noch einige Aspekte zerkaut. Beim nächsten Mal zum Beispiel die Erweiterung des Funktionsumfangs, dessen Qualität und Mehrwert sowie der gravierendste Unterschied zum gemeinen MediaPlayer: der Webbrowser.
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Wow, sehr schöne Gegenüberstellung :sheep
Das mit dem fehlenden Rippen wäre für mich wirklich ein großes Manko, da ich viele CDs hinzufüge.
Aber ich wollte noch sagen, dass es für MM auch sehr, sehr viele Skripte gibt, die mittlerweile sogar mit einem Klick installiert werden können.
Und intelligente Wiedergabelilsten (wie man das auch von iTunes kennt) gibt es leider nur in der Bezahlversion. Aber das Übersrkipt MagicNodes ersetzt dieses Manko und kann noch viel mehr.
Bin mal gespannt, was du noch bringen wirst. Bisher habe ich mir nämlich Songbird ebenfalls nicht genauer angeschaut. Aber wenn der auch unter Linux läuft (wovon ich ausgehe, da Mozilla-Produkt), dann würde ich evtl. mal einen Vergleich Amarok-Songbird machen.
Ah, genau: MM läuft nur unter Windows. Das ist natürlich u.U. ein großer Nachteil.
PS: die Last.fm-Anbindung im MM klappt jetzt einwandfrei
Hallo Julia,
soweit ich weiß, läuft Songbird auch unter Linux, ich habe allerdings so nebenbei öfters gelesen, dass es noch einige Probleme geben soll.
Download ist hier möglich: http://getsongbird.com/download/
Teil zwei der Beitragsserie ist in der Mache. :0)
Song Bird ist echt ziemlich cool, aber ich bleibe trotzdem bei iTunes nicht nur wegen der Möglichkeit iPods zu syncen sondern auch wegens dem iTMS
Es ist unter Umständen auch ratsam zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht komplett auf Songbird umzustellen. Der MediaPlayer kann noch lange nicht das, was er können könnte.
Aber ich bin eifrig am testen; allerdings platzt mir hin und wieder auch schon mal die Hutschnur, wenn vermeintlich einfache Dinge nicht funktionieren wollen.
Hi, habe auch viel mit MediaMonkey, SongBird und Mediaplayer rumgespielt und die drei miteinander verglichen. Bin letztendlich wieder beim Mediaplayer gelandet, da er mir am übersichtlichsten erscheint. Ich glaube aber, das durch die Add-Ons SongBird eine große Zukunft hat. Ich halte nur diesen ganzen Album-Flow Kram eher für Schnick-Schnack. Wäre für die neueste Version das Album List Add-On verfügbar, wäre es mir eine Überlegung wert.
[...] Danyweb gibt es einen Vergleich zwischen dem (von mir sehr geschätztem) MediaMokey und dem neuen [...]
Hallo Peter,
im täglichen Handling habe ich auch festgestellt, dass das Cover-Flow auf den ersten Blick ziemlich cool, im Gebrauch aber eigentlich nicht geeignet ist. Songbird muss auf jeden Fall noch dazulernen…
sorry weiss nich ob das hier her gehört habe ein frage zu mm wie kann ich von der wiedergabe liste nur einen titel abspielen lassen gehst das überhaupt??? finde die richtige einstellung nicht ???
Tony, das gesuchte Feature bietet MM nicht. Aber du kannst die Wiedergabeliste bis auf den einen Song leeren, immer wieder wiederholen und dann wenn du wieder die anderen Songs hören willst, das Leeren der Wiedergabeliste rückgängig machen.
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