Ich will wirklich nicht meckern
Morgen ist mein erster Arbeitstag im neuen Jahr. Nicht dass dies sehr einschneidend wäre, aber daran musste ich gerade eben beim Blick auf meine Armbanduhr denken.
Die letzten 10 Tage sind wirklich rasend schnell vorbei gegangen, dabei hatte ich während der einzelnen Tage manchmal den Eindruck der Sekundenzeiger und meine Zeitwahrnehmung laufen nicht sehr synchron.
Ich war in meinem Urlaub – wie eigentlich für mich typisch – krank und lag mit einem Karton Kosmetiktüchern, Nasenspray, meinem Nintendo DS und jeder Menge Wut obschon der versäumten Freizeit in meinem Bett. Dabei verging die Zeit nicht besonders schnell.
Es wundert mich nach einer Woche Dauerhusten schon, dass ich noch lebe. Nicht, weil mich die Erkältung erschreckt hätte. Ich rechnete – aufgrund der Schwere und Hartnäckigkeit des Hustens - unter der Woche mindestens mit einer platzenden Schlagader an meinem Hals, einem Blutgerinnsel im Kopf, mit Schäden an meinem Herz oder zumindest mit dem Auskotzen meiner blutigen Luftröhre. Nichts dergleichen passierte. Stattdessen gähnende Langeweile im TV, leeres Akku im DS und nervige Laune bei der Dany.
Morgen geht es also wieder von vorne los. Wochenlang der gleiche Trott, mal stressig, mal langweilig, mal nervig, mal interessant, mal schleppend. Aber in den heutigen Zeiten muss man froh sein, wenn man in Lohn und Brot steht. (Dieser Satz stammt natürlich nicht von mir…)
Aber ich will nicht meckern. Immerhin animiert mein Arbeitgeber mich zu Kreativität. Dies ist ihm sogar schon in den 70er Jahren eingefallen, als er sich die abenteuerliche Farbkomposition zwischen gelben Stellwänden, grünen Büromöbeln in einem viel zu kleinen Großraumbüro ausdachte.
Gott sei Dank steht die Stellwand in meinem Rücken, so dass ich sie wenigstens nicht jeden Tag anschauen muss. Jedenfalls ist es eine enorme Herausforderung aus den kläglichen Überresten einer fremden Generation heute etwas zu gestalten, dass einen ohne Halluzinogene über den Tag kommen lässt. (Ich glaube der wahre Grund der Joints in den 70ern war nicht Love, Peace & Happiness, sondern der einzig wirksame Schutz gegen den schlechten Geschmack der Designer dieser Zeit).
Kreativität also. Ein Blümchen hier, ein Pflänzchen da. Ein Poster hierdrüben und ein persönliches Foto dahinten. – Mit den Fotos muss man allerdings vorsichtig sein (zumindest bei meinem Chef). Der ist immer sehr neugierig und schaut sich alles genau an. Dann kommt ein Witzchen hier, ein dämlicher Spruch dort und schon hat man etwas das man gar nicht haben will: ein sabbelnder Chef mit notorisch schlechten Witzen über die eigene Verwandschaft.
Aber ich will wirklich nicht meckern. Ich gehöre ja zu den Millionen auserwählten Menschen in Deutschland, die die Konjunktur in Deutschland ankurbeln sollen. Also quasi die Finanzwelt wieder wie einen strahlenden Phoenix aus der Asche heben darf. In der “normalen” Welt gehen Firmen pleite, wenn Sie ihr Geld verpulvert haben, in der Bankenbranche werden sie vom Staat gerettet und das nur, weil man nicht genau einschätzen kann, welcher Rattenschwanz hinten dran hängt.
Aber! – Ich will nicht meckern. Nein wirklich nicht – aaaarggghhhhh!
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