Fragen sind Fragen sind Fragen
Stöckchen handle ich ja immer wieder gerne ab. Am liebsten sind mir dabei die, die sich entweder um Musik drehen oder damit, persönliche Dinge von sich zu preiszugeben. Es ist doch immer wieder interessant etwas über einen Menschen zu erfahren, der eigentlich völlig fremd ist. Wenn ich es mir recht überlege ist es eigentlich sehr faszinierend Menschen im Internet, insbesondere in der Blogosphäre “kennenzulernen”. Menschen ohne Gesicht, ohne körperliche Kontur, einfach nur eine Ansammlung von Eigenschaften, Vorlieben, Interessen.
Julia zum Beispiel bevorzugt britische Musik, liebt auch ansonsten das British Empire, fotografiert gern und ist ein sehr kontaktfreudiger Mensch, der seine Zeit auch gern für ihren Blog erübrigt und dabei viele nützliche Informationen raushaut.
Jenny ist ein Alltagsmensch, dem immer wieder seltsam Dinge passieren und wenn die Dinge nicht seltsam genug sind, schafft sie es trotzdem aus der Situation etwas besonderes zu machen. Sie liebt Tetris und nichts geht ihr über eine gute Portion Pommes. WG-Leben habe ich leider nie so lustig und abwechslungsreich erlebt, wie sie es lebt. Da wird schon etwas Wehmut wach.
So bildet man sich von den mehr oder weniger regelmäßigen Kontakten eine Meinung, man schätzt sie ein und mag sie dann. Hin und wieder muss ich feststellen, dass dies durchaus einfacher sein kann, als im realen Leben. Wir beschäftigen unsere Augen nicht mit Dingen, die sie nur ablenken. Wir registrieren keine Figur, keine Frisur, keine Klamotten, die uns vielleicht nicht zusagen würden. Wir konzentrieren uns im Internet mit dem, was ein Mensch zu sagen hat, was er darstellt oder besser: wie er sich darstellt. Einfach als Persönlichkeit.
Jetzt gab es wieder viel blabla, dabei wollte ich eigentlich nur ein Stöckchen aufgreifen, dass ich beim guten beetFreeQ aufgegriffen habe. Dabei geht es nämlich um zwanzig Fragen, die es gilt zu beantworten.
1. Würdest Du Dich selbst heiraten?
Um Himmelswillen. Erschiessen würde ich mich. Ich könnte niemals mit mir zurechtkommen, wenn ich es nicht wirklich müsste. Es gibt ganz viele Momente, in denen ich denke: wenn meine Innerstes mein Äußerstes ablegen könnte wäre ich ein sehr zufriedener Mensch.
Die Wahrheit ist, dass ich meine Macken nicht ertragen könnte. Zahnpastareste im Waschbecken, in jeder Getränkeflasche und im Glas bleibt immer (!) ein Rötzchen, ich lasse beim Ausziehen die Sachen einfach da liegen, wo sie auf den Boden fallen (da liegen sie dann auch meist sehr lange). Einen Kleiderschrank benötige ich eigentlich nicht, da ich von der Waschmaschine an den Körper auf den Boden in die Waschmaschine lebe. Dazwischen gibt es nichts.
Aber! Ich habe auch gute Seiten – wenn ich will.
2. Was richtet mehr Schaden an – schonungslose Aufrichtigkeit oder Unehrlichkeit?
Das kommt auf den Menschen an. Ich habe Freunde denen kann man sehr gut die nackte Wahrheit ins Gesicht brüllen. Zum Beispiel meiner ältesten und besten Freundin Silke: Wir waren ungefähr 16 Jahre und fuhren mit dem Fahrrad durch die Gegend – irgendwann musste ich mich hinter statt neben sie einreihen und stellte fest, dass sie einen ganz schön dicken Hintern hat. Daraufhin sagte ich zu ihr: Dein Arsch frisst den Sattel aber ganz schön auf. Woraufhin sie mich erst entsetzt ansah, um im nächsten Moment vor Lachen fast vom Fahrrad zu fallen. Die Revanche kam in Folge eines Spitznamens: Dicke Tarantel. Wer solche Freunde hat…
3. Welchen Ersatz hast Du für den Verlust Deiner Schönheit?
Was ist das denn für eine selten dämliche Frage? Darauf habe ich keine Antwort. Dafür müsste ich mich ja selbst als hässlich erklären, um nur den Ansatz einer Antwort zu formulieren. Nur soviel: Wenn wir Menschen aufhören würden unsere Energie auf das Bewerten von Äußerlichkeiten zu fokussieren, würden wir vielleicht auch mal in den Genuss kommen, den Teil unserer Hirnleistung zu nutzen, der von Forschern immer als tote Zone bezeichnet wird.
4. Was tust Du als erstes in einer fremden Stadt?
Meist komme ich da mit dem Flugzeug an, um mehrere Tage dort zu verbringen. Also beschäftige ich mich damit im Fahrplandschungel zu recherchieren welche Bahn ich zum Hotel nehmen muss, kaufe mir eine Fahrkarte und trolle mich mit Koffer im Schlepptau ins Unbekannte.
5. Du musst wählen: Dein Heimatland für immer verlassen oder es nie wieder verlassen zu können? Was tust Du?
Ah, dass ist eine Gewissensfrage. Patriotismus ist bei mir ja nur bedingt vorhanden. Ich glaube, dass man überall auf der Welt leben kann. Das hat für mich nichts mit Nationalität zu tun. Man benötigt zum wohlfühlen nur Familie, Freunde, Partner und eine Arbeit (wobei letzteres nur, wenn der Geldbeutel ansonsten leer wäre.). Aber die nächsten 40 Jahre Urlaub in Deutschland – das erfordert starke Nerven.
6. Was denkst Du? Hast Du den schönsten Tag Deines Lebens bereits hinter oder noch vor Dir?
Keine Ahnung. Man kann doch nie wissen, ob nicht noch ein besser Tag auf einen wartet. Falls ich Kinder haben sollte, besteht er mir auf jeden Fall noch bevor. – Diese Frage ist etwas für das Sterbebett.
7. Du könntest 1 Million für Dich bekommen oder 10 Millionen für einen guten Zweck spenden.
Kann ich es nicht auch so auslegen, dass ich 9 Mille spende und eine für einen weiteren wohltätigen Zweck spende – nämlich mir selbst die Chance zu geben tun und lassen zu können was ich möchte. Ohne Verpflichtung, ohne Ketten ohne Vorschriften. Selbstbestimmung ist das größte – früher nannte man das noch Freiheit.
8. Welcher Tag der Woche ist Dir der liebste?
Irgendeiner zwischen Samstag und Sonntag!
9. Was findest Du an Dir banal?
Mein Faible für Mode.
10. Wonach riecht Deine Kindheit?
Nach Bäumen, Wiesen, Blumen und Tannen.
11. Welches Lied würdest Du Deinem liebsten Menschen vorsingen?
All i want from you is love – Let’s go sailing
12. Wofür hättest Du in 10 Jahren gern mehr Zeit?
Für meine dann hoffentlich vorhandene Familie. Weniger Arbeit – mehr Familie…
13. Lachst Du auch, wenn Du allein bist?
Ja, ganz oft. Dann entweder über einen Gedanken, über mich selbst oder etwas dass ich gelesen oder gehört habe.
14. Hast Du in Deinem Leben genug Liebe bekommen?
Lag derjenige der sich die Fragen gestellt hat, im Delirium oder auf dem Sterbebett? Das klingt so nach Endzeitstimmung und dem Blick zurück auf ein laaanges Leben…
Kann man von Liebe genug bekommen, saugen wir Liebe nicht automatisch auf und gibt es nicht immer einen Menschen, von dem wir vielleicht noch zusätzlich geliebt werden wollen?
Ich kann mich nicht beschweren.
15. Wie siehst Du Dich auf alten Fotos?
Als Kind gern, ab der Pubertät meide ich die Kameras so gut es eben geht.
17. Ist Erfolg eine Illusion?
Erfolg ist immer relativ. Geht es um Erfolg im Beruf kann es reiner Zufall sein ihn zu erlangen, ihn zu behalten ist schwierig, da man konstant gute Leistung erbringen muss. Erfolg für ein einzelnes Ziel, dass man sich selbst gesetzt hat, kann keine Illusion sein, solange es realistisch zu erreichen ist oder bereits erreicht wurde.
18. Hast Du heute schon etwas geteilt?
Aber sicher: die Luft in unserem Großraumbüro.
19. Was wünschst Du Dir für Dein Leben?
Zufriedenheit, Gesundheit für meine Liebsten und mich selbst. Ich wünsche mir weniger Sorgen und Ängste. Ich wünsche mir, dass Gaza zur Ruhe kommt und auch die Menschen im Irak wieder ein friedliches Leben führen können. Außerdem wünsche ich mir, dass Roland Koch in Hessen nicht gewählt wird und Angela Merkel nicht Bundeskanzlerin bleibt, wobei das teilweise sehr amüsant war. Und ich wünsche mir die Rente mit 40.
20. Macht es die Tatsache, dass Du etwas vorher noch nie in Deinem Leben getan hast, reizvoller oder weniger reizvoll, sich darauf einzulassen?
Egal, wenn ich es wirklich tun möchte.
Bild im Original von JosephGilbert.org (flickr)
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Zu Antwort 18:
Das hört sich ziemlich nach Büromief an…. gut, dass ich eine “Einzelzelle” habe…
Was meinst Du?