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Das Stiefkind aller Wahlbeteiligung

1. Juni 2009 # 197 views # 0 Kommentare

Nächste Woche ist Europawahl. Ich gabe zu, dass diese Wahl in absoluter Regelmäßigkeit an der Motivation meiner Mitbestimmung abtropft. Neben Bundestagswahl, Landtagswahl und Kommunalwahl tritt die Europawahl als Stiefkind an die Seite seiner Geschwister.

Obwohl ich ein durchaus politisch interessierter Zeitgenosse bin, kann ich der Europapolitik nicht viel abgewinnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach lässt sich dieses Desinteresse damit erklären, dass man auf Europaebene das Gefühl vermittelt bekommt, noch mehr verarscht zu werden, als im eigenen Land. Ich erinnere nur an die Abstimmung über die Europaverfassung, die in einigen Ländern mit Volksabstimmungen rundherum abgelehnt wurde. Dies nahm man zwar zur Kenntnis, gab dem Kind einen neuen Namen und versuchte an den Volksabstimmungen vorbei zu agieren. Dabei versäumte man es nicht sich der Medien zu bedienen und der europäischen Bevölkerung zu implizieren, dass es uns allen schlechter ginge, wenn die “neue” Europaverfassung nicht in Kraft treten kann.

Überhaupt scheint das vereinte Europa zeitweise wichtiger als die Länder und ihre Bewohner selbst. Wie kann ich europäische Gesetze über die jeweilige Landesgesetze setzen wollen, wo wir in Europa nicht mal annähernd die gleichen Bedingungen vorfinden?

Aber egal was ich oder jemand anderer von der Europapolitik hält, es wird daher nicht einfacher sich zur Wahl zu motivieren. Selbstredend lasse ich meine Stimme niemals ungenutzt. Aber eine wirkliche Wahlentscheidung kann ich nicht treffen (dies gilt allerdings in der Komplexität nicht nur für die kommende Europawahl!).
Aus diesem Grunde hielt ich es für eine gute Idee mir auf die Sprünge helfen zu lassen und probierte den Wahl-o-mat aus (sozusagen das politische Orakel von Delphi 2.0).

Von einigen Verbesserungsvorschlägen abgesehen, kann man sich hier eine Tendenz abholen oder – wie in meinem Fall – eine kalte Dusche der nackten, grausamen Wahrheit.
Ich bin kein Fan der FDP – war ich aufgrund deren historischer Entwicklung (wenn man es Entwicklung nennen möchte) noch nie. Dass mich allerdings nach Beantwortung aller 38 Fragen und Gewichtung mir wichtiger Themengebiete mehr Übereinstimmungen mit der DVU als der FDP verbinden, schockiert mich ehrlich. Um diesem Umstand aber noch irgendetwas Positives abzugewinnen: das ist nur die Bestätigung meiner tiefen konsequenten Abneigung gegenüber den gelb-blauen Liberalen.

Selbstredend befinden sich beide Parteien am tiefsten Ende der Liste der Übereinstimmungen und auch nur in der Liste, weil ich sie aus analytischen Beweggründen in die Auswertung aufgenommen habe. Das obere Ende sieht allerdings auch nicht aus, als könnte es meinen Erwartungen entsprechen.
Wie gut, dass die Seite darauf verweist, dass man nach Übereinstimmung der reflektieren Fragen nicht unbedingt mit dem Wahlprogramm übereinstimmen muss. Puh, Glück gehabt!

In der Entscheidung für die Wahl hat mich dieser Ausflug in die Welt des Web 2.0 nicht weitergebracht.

Photo im Original von mkorsakov (flickr)

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