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Der erste Eindruck #1

27. Juni 2009 # 920 views # 5 Kommentare

Die folgenden Alben sind eine willkürliche Auswahl der in der letzten Woche (20. – 26. Juni 2009) erschienenen Platten. Ich habe bei der Bewertung lediglich auf meinen ersten Eindruck nach dem ersten (!) Hördurchgang abgestellt, weswegen diese Einschätzung nicht unbedingt in der Zukunft Bestand haben muss. Ich habe die Interpreten und ihren Werdegang vor der Bewertung nicht gegooglet oder mich sonst weitergehend über sie informiert. Alles was an Information enthalten ist, wusste ich entweder oder habe es im Vorfeld bereits in anderen Artikeln gelesen. Alles Geschriebene entspricht meiner subjektiven Einschätzung und dem kann entweder zugestimmt oder widersprochen werden.

Regina Spektor – Far

Regina Spektors Stil definieren zu wollen, fällt durchaus schwer. Die Lieder leben von der Intensität des Klaviers und dem ungewöhnlichen Arrangement der musikalischen Unterlegung. Dabei gelingt es ihr, jedem Lied eine Individualität zu verleihen und der Entwicklung entgegen zu agieren, dass Lieder sich durch einen roten Faden doch bis zu einem gewissen Grad gleichen. Dabei reicht die Palette von ruhigen Liedern, die nur durch Stimme und das Klavierspiel getragen werden bis zu musikalischen Unterlegungen in denen man sich vielen verschiedenen audiovisuellen Elementen bedient. Mal wirken die Lieder epochal, dann wieder ruhig-romantisch, manchmal gehetzt ohne nervig zu wirken. Hinzu kommen die Liedtexte, die durchaus eine prosaische Ader bei der Singer/Songwriterin vermuten lassen.
Gefällt mir nach dem ersten Durchlauf sehr gut.

Little Boots – Hands

Gestern habe ich bereits bei Twitter verkündet, dass ich den Eindruck habe mit Little Boots’ “Hands” das Sommeralbum 2009 gefunden zu haben.
Ich bin aus unerfindlichen Gründen eher der Typ für die schwermütige Musik dieses Planeten und habe deswegen im Sommer häufig das Problem keine Musik passend zu den warmen Strahlen der Sonne zur Hand zu haben.
Little Boots hat ein dancelastiges Elektroalbum als Debut hingelegt und ich muss Tonspion zustimmen und anmerken, dass mich ihre Stimme ebenfalls an Kylie Minouge erinnert, klingen beide doch dünn und lassen manchmal das kraftvolle Volumen zu den Melodien fehlen. Trotzdem würde ich die Musikstile von Little Boots und Kylie Minouge nicht vergleichen wollen. Dafür klingt Little Boots nicht glatt genug und vereint mehr Elektronik auf ihre Lieder. Da ich strickt unterscheide was ich im Auto und zu Hause höre, kann das Album unter Umständen den Weg zum Sonnenschein und in meinen Auto-CD-Player finden.

Michael Bublé – Meets Madison Square Garden

Aufgefallen ist mir, dass das Album mit einem sehr rockigen Intro beginnt. Allerdings hält der Swing in Minute 1:48 Einzug in die Live-Aufnahme. Ich mag eigentlich keinen Swing – selbst bei Robbie Williams habe ich da keine Ausnahme gemacht. Aber Michael Bublé-Alben habe ich alle im Musikregal stehen. Warum? Keine Ahnung. Ich mag einfach seine Stimme und seine Interpretationen der alten Klassiker. Natürlich erfindet ein Künstler die Lieder bei einem Liveschnitt nicht neu, aber sie wurden hier sehr schön und teilweile neu in Szene gesetzt. Man erhält mit dem Album nicht mehr als eine gute Live-Show und eine Sammlung von ausgewählten Songs  aller Michael Bublé Alben. Nicht mehr und nicht weniger.

Wilco – Wilco

Klingt beim ersten Hördurchgang noch nicht harmonisch für mich. Das muss bei mir aber nichts heißen. Bon Iver brauchte bestimmt 10 Durchgänge bis er bei mir wie eine Bombe eingeschlagen hat. Aus diesem Grunde möchte ich fast gar nichts über dieses Album schreiben, weil ich damit u.U. vollkommen falsch liegen könnte. Vom Stil her klingen die Lieder alle sehr ähnlich, die Stimme des Sängers verströmt allerdings sehr viel Wärme in der Klangfarbe weswegen ich dem Album auf jeden Fall noch eine Chance geben werde. Abschließend aber noch ein dickes Kompliment – Songs wie “You and I” mag ich wirklich sehr gern.

Sunset Rubdown – Dragonslayer

Klingt auf den ersten Blick alles so furchtbar nach asiatischem Fantasy-Trash: der Albumtitel (Dragonslayer), das Label (Jagjaguwar), die Titel (Dragon’s Lair, Black Swan). Dann fange ich mit dem Hören an und muss sagen: der Eindruck setzt sich in der Stimme des Sängers fort. Der klingt durchaus, als könnte er auch als Barde singen. Klingt mir teilweise viel zu hektisch, die Stimme zu hysterisch, die blasse E-Gitarre in manchen Liedern zu überreizt. Außerdem habe ich bei jedem Lied den Eindruck, es würde wie der Vorgänger klingen. Ich fühle mich teilweise, als wäre ich auf so einer Mittelalter-Convention gelandet, aus der ich mich nur schwerlich befreien kann. Für mich persönlich ist das nichts, aber wer es mag.

Moby – Wait for me

Ja, mit Moby ist das bei mir immer so eine Sache. Manchmal brauche ich sehr lange, bis ich das Potential eines Songs erfasst habe, manchmal ist es aber auch einfach so, dass ich seine Lieder nicht leiden mag. Offensichtlich hat er sich auch auf diesem Album mal wieder fremder Stimmen bedient. Es gibt sogar Instrumentalsongs. Ich hasse Instrumentalsongs (überwiegend – Ausnahmen bestätigen die Regel). Die Lieder sind alle in ein chilliges Gewand gekleidet und ich suche verzweifelt nach dem richtigen Lied zur Singleauskopplung. Nach meinem ersten Eindruck kann ich nur sagen: langweilig. Wenn jemand eine Yoga-CD sucht: hier ist sie.
Beitragsfoto im Original von krazydad/jbum (flickr); die Rechte der Albencover liegen bei wem auch immer – jedenfalls nicht bei mir!

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5 Kommentare »

  • beetFreeQ meinte:

    Ich hab mir heute auch das erste mal Regina Spektor’s neues Album angehört und bin auch sehr angetan. Werde es sicher noch öfter hören. Von dem neuen Sunset Rubdown wusste ich noch garnichts – wird gleich mal vorgemerkt, weil ich die Band sehr schätze.

    Bei Moby geht’s mir ja ähnlich wie dir – mit dem Unterschied, dass ich nie irgendein Potential in seinen Songs sehe. Er kann die verwendeten Instrumente grad mal so laienhaft spielen und kommt dabei immer als der tolle Multiinstrumentalist daher. Zudem ist seine Musik einschläfernder als so ziemlich jedes Schlaflied, das ich kenne ;)

  • Jenny meinte:

    Hm hm, ich sollte unbedingt auch mal reinhören, brauch sehr dringend wieder neue Musik.

  • juliaL49 meinte:

    Interessante Auswahl und sehr schöne Idee (wie immer :) ).

    Meine Auswahl wäre bis auf Wilco komplett anders gewesen, da ich die von dir ausgesuchten Künstler entweder sowieso nicht mag (Moby) oder der Ersteindruck nicht so berauschend war (Little Boots). Und gerade Wilco The Album fand ich sehr gut.

    Hoffentlich bleibt es nicht bei diesem ersten Ersten Eindruck.

  • Dany (admin) meinte:

    @beetFreeQ:Irgendwie habe ich beim Schreiben schon so eine Vorahnung gehabt, dass Du Sunset Rubdown gutfinden könntest ;-); Moby mag ich – bei all den Alben – bei zwei Titeln vielleicht. Deswegen war es nicht überraschend, dass das Album nicht zu Begeisterungsstürmen führen wird.

    @Jenny: Ich bin auch immer auf der Suche, deswegen habe ich mir die Neuerscheinungen auch einfach mal angehört. Neue Musik zu finden, ist sehr mühselig, da es so viel Auswahl und zwischendrin auch so viel Mist gibt muss man sich anstrengen. Aber vielleicht findest Du ja was darunter. Bei dem was Du so hörst, könnte ich mir vorstellen, dass Dir Little Boots und Regina Spektor gefallen könnten.

    @Julia: Ich habe willkürlich aus der Auflistung bei ITunes und Napster Alben herausgegriffen. Hinterher habe ich mir gedacht, eine Komplettauflistung aller erschienenen Alben wäre sicher auch hilfreich gewesen. Kennst Du da eine enstprechende Seite auf die ich zurückgreifen kann? Ich würde das – insofern ich es schaffe – gerne jede Woche machen.

  • juliaL49 meinte:

    Nico macht das jeden Monat, aber die Auflistung ist natürlich nicht vollständig und eher Indie-lastig. Ansonsten orientiere ich mich beim NME und Drowned in Sound, die aber natürlich die britischen VÖ-Daten haben.
    Für Deutschland habe ich noch keine vollständige Liste gefunden, aber die Vorschau beim Intro Magazin kommt dem schon sehr nahe: http://www.intro.de/platten/vorschau Eine persönliche Auswahl, aber mit gut geschriebenen Reviews gibt es bei den White Tapes.

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