Narzismus in Zeiten der digitalen Musiksammlung
Seit ein paar Tagen mache ich mir Gedanken über den matierellen Bestand meiner Musiksammlung. Früher verbrachte ich meine Zeit gerne mit der Sortierung meiner CDs und vereinzelt vorhandener Vinylplatten. Sie wurden nach Beliebtheit, nach Alphabet, nach Musiklabel und weiteren abstrusen Kategorien sortiert und aufgereiht. Irgendwann legte ich mir sogar ein neues Regal einer beliebten schwedischen Möbelhauskette zu um sie ein bisschen besser in Augenhöhe positionieren zu können. Schaue ich mir heute einige der Titel an, beiße ich mir verschämt auf die Lippen, da ein paar peinliche Ausreißer darunter sind. Heute, da ich die Vielfalt und unendlichen Weiten des Musikkosmos entdeckt habe, ist ebenso das Zeitalter der digital zu erwerbenden Medien angebrochen. Habe ich mich anfangs noch erfolgreich gewehrt, überzeugte mich irgendwann der Preis. Während eine greifbare CD zwischen 14,99 und 18,99 Euro kostet, sind – spätestens seit Amazon mp3 – taufrische Alben bereits unter 9,99 € zu erwerben. Aber:
Mit der Zeit haben sich einige – wenn nicht gar viele – digitale Musikdateien auf meinen mittlerweile zwei externen Festplatten angesammelt. Aber die Musikkenner unter den Besuchern in der eigenen Wohnung, können nicht mehr an der musikalischen Entwicklung teilhaben. Ein Blick in das eigens angeschaffte Regal zeigt höchstens einen musikalischen Stillstand seit ungefähr drei Jahren. Nun frage ich mich, wie man einem Musikkenner unter diesen Umständen noch entgegen treten kann?
1. Man fertigt eine Liste aller digitalen Alben an und drapiert sie möglichst auffällig – leider aber absolut fehl am Platze – an der Wohnzimmerwand neben dem Musikregal.
2. Man zahlt zweimal für die Musikalben, indem man sie sich neu und frisch im Internet kauft und später bei ebay versucht für einen Euro eine physische Methamorphose durchzuführen.
3. Man versucht dezent, aber bestimmt jedes Gespräch in den eigenen vier Wänden auf die Musiksammlung zu lenken (egal ob es angebracht ist oder nicht) und den Besucher zu zwingen sich auf dem monströsem Laptop durch den Musikordner der Festplatte zu quälen.
4. Wem Punkt drei zu offensiv erscheint, kann sich – ebenfalls für 1 € bei ebay – eine David Hasselhoff CD anschaffen und diese anschalten sobald Besucher die Wohnung betreten. Auf die freundliche Frage, ob man auch vernünftige Musik sein Eigen nennt, tritt der Rest von Punkt drei in Kraft.
5. Man könnte aber auch einfach versuchen weniger narzistisch im Umgang mit dem eigenen Musikgeschmack umzugehen.
Wie haltet ihr das mit Eurer Musiksammlung? Teilt und zeigt ihr sie ebenfalls gerne oder seid ihr vielleicht der Meinung, dass es ausreicht, wenn ihr wisst, wie qualitativ gut Eure Musiksammlung ist? Schreibt mir Eure Meinung oder Lösungsvorschläge in die Kommentare.
Foto im Original von mybloodyself (flickr)
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Na wenn der digitale Narzissmus in Zeiten von last.fm nicht ausreicht (da weltweit möglich und vor anderen Musikliebhabern), dann muss man natürlich die persönlich bekannten Personen beeindrucken.
Ich brenne ausgesuchte Alben meiner Sammlung auf CD. Hat natürlich den Nachteil, dass zwar das Cover in ausreichend guter Auflösung vorhanden ist, aber selten der für das Einsortieren im Regal so wichtige CD-Rücken. Hier hilft eine ausgesucht schöne Beschriftung.
Alternativ könnte man die Listenidee aus Punkt 1 verbessern, indem man die Cover hübsch ausdruckt. Macht wesentlich mehr her und man hat gleich auch noch ein schönes Poster an der Wand. (Warum habe ich diese Idee nicht vorher gehabt?!?!)
Abgesehen davon ist meine CD-Sammlung auch so schon umfangreich und beeindruckend, dass ich die so herzeigen kann.
Den Gedanken mit dem Brennen hatte ich auch, aber von Dir genanntes Problem gesehen: der CD-Rücken. Das ist soviel Frickelei. Erstmal schön akurat ausschneiden, dann in die Hülle frickeln und wenn man Pech hat, gibt das Papier nach und verknickt. Ich bin ja ein Loser in filigraner Arbeit.
Deine zweite Idee finde ich schon besser. Ausdrucken mit CD-Cover. (Hhm, das muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.
Ich habe mich da definitiv für Punkt 3 entschieden und zwar nicht immer wirklich dezent.
Bei mir läuft eigentlich bei Besuch in der Regel eine Playlist, entweder überlasse ich dem WMP anhand einiger Kriterien die Auswahl oder – falls Lust oder Anlass vorhanden – ich generiere eine spezielle.
Wer sich selbst inspiriert fühlt oder durch mich “inspiriert” wird, wird dann schon automatisch darauf “anspringen” und entsprechende Fragen stellen, ansonsten bleibt es eben einfach bei Hintergrundmusik zum Besuch (…also ein wenig Dezenz…).
Mein bester Freund – und dieser Ehrentitel beinhaltet ja auch immer eine gewisse Leidensfähigkeit – ist allerdings schon immer etwas in Sorge vor einem Besuch, was ihn denn wohl dieses Mal diesbezüglich erwarten werde…
Punkt 4 erfüllt in meinen Augen den Tatbestand der schweren Körperverletzung.
Das ist ein Grund, warum ich mir Alben von Künstlern, die ich gerne mag, immer noch physisch kaufe und nicht digital. Außerdem will ich ein Booklet! Und: Keine Liste ist so schön wie ein Regal mit CDs, die man auch in die Hände nehmen kann. Dafür bin ich dann auch bereit mehr zu zahlen. :D
@wajakla: Ich nenne das reines Mittel zum Zweck:
@Konna: Ja, ist mir auch schon durch den Kopf gegangen, aber irgendwie sind mir die sechs oder sieben Euro mehr dann doch oft ein Dorn im Auge. Allerdings rechnet man die mögliche “Zweitanschaffung” des physischen Mediums hinzu, kommt es im Endeffekt auf das Gleiche raus.
Also gebrannte Alben beeindrucken mich nicht. Ich war vor längerer Zeit bei jemandem, der keinerlei digitale Musik besaß, sondern seine ganzen CDs original kauft. Das machen heute ja noch die wenigsten. Das fand ich ziemlich cool. Und teuer.
Ansonsten: Bei mir bleibt alles auf dem Rechner, ich glaube, ich beeindrucke somit keinen. ;-)
~300GB an Musikdaten… ein paar physikalisch greifbare Silberlinge stehen noch im Regal, ansonsten setz ich eher auf die Speicherchips / Magnetscheiben, denn auf sonnenempfindliche Silberlinge.
Für die Freunde des Exibitionismus, habe ich einen digitalen Account bei last.fm, das muss genügen. Wenn doch jemand anchhacken sollte, wird er mit einem eigens angelegten Bild meiner Sammlung erschlagen :P
@Jenny: Ah, wenigstens einen, den man tatsächlich damit beeindrucken kann. ;-) Ich finde das auch wahnsinn. Mein Papa z.B. besitzt noch eine riesige Sammlung alter Vinyl-Platten. Das finde ich großartig.
@deLtadeep: Ja, die Kurzlebigkeit der CDs wird ja immer wieder erwähnt. Allerdings laufen bei mir noch alle CDs – auch die, die schon 15 Jahre oder älter sind. Problem bei last.fm: die meisten meiner Freunde “leben” nicht in der digitalen Weite des WWW. Last.fm, twitter oder Blogs sind denen keine Begriff. Die schauen mich meist schon mit großen Augen an, wenn ich sage, ich habe Musik im Internet gekauft.
@Dany: Ja, das ist ein Problem, auch wenn meine Freunde alle recht vernetzt sind (wenn es um rudimentäres wie last.fm oder stdui und so etwas geht). Und mit dem Rest spricht man halt drüber; das eine schließt das andere ja nicht aus ;)
Mein Vater hat auch ne riesige Sammlung, aber mich nervt immer, das man lange sucht, bis man was gefunden hat, auch wenn diese CD Wand seinen Charme hat.
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