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Der erste Eindruck #5

9. August 2009 # 624 views # 5 Kommentare

Die folgenden Alben sind eine willkürliche Auswahl der in der letzten Woche (03.08. bis 09.08.2009) erschienenen Platten. Ich habe bei der Bewertung lediglich auf meinen ersten Eindruck nach dem ersten (!) Hördurchgang abgestellt, weswegen diese Einschätzung nicht unbedingt in der Zukunft Bestand haben muss. Ich habe die Interpreten und ihren Werdegang vor der Bewertung nicht gegooglet oder mich sonst weitergehend über sie informiert. Alles was an Information enthalten ist, wusste ich entweder oder habe es im Vorfeld bereits in anderen Artikeln gelesen. Alles Geschriebene entspricht meiner subjektiven Einschätzung und dem kann entweder zugestimmt oder widersprochen werden. (Die weiterführenden Links zu den einzelnen Interpreten wurden von mir erst nach Fertigstellung des Artikels hinzugefügt).

Like a stuntman – Original Bedouin Culture

likeastuntmanDie Beduinen sind bekanntlich nomadische Wüstenbewohner. Arabische Zigeuner sozusagen. Somit scheint der rote Faden für das Album gefunden zu sein. Like a stuntman ging es aber offensichtlich nicht nur darum einen thematischen Bezug für das Album zu finden, sondern sie wollten ein entsprechendes Klanggefühl erzeugen. So wurde die instrumentale Unterlegung so ausgewählt, dass dem Hörer eine durchaus natürliche und ursprünglicher Herkunft impliziert wird. Die später folgenden Lieder wie “Damascus” und “No tundra, no sun” geben dem Album den endgültigen Bezug zur Rastlosigkeit der Beduinen, zur steten Bewegung. (Dabei verwirrt mich allerdings der Songtitel “Drive to Cologne”). Die immer wieder eingesetzten choralen Gesänge, versetzen einen bei geschlossenen Augen tatsächlich an Orte fremder Kulturen. Dabei erinnert man sich an Dokumentarfilme, bei denen afrikanische Ureinwohner hypnotisch singend um flammende Feuer tanzen sah.
Mir persönlich war bereits der New-Wave in den 90er Jahren sehr suspekt, deswegen kann ich auch dieser Form der Musik nichts abgewinnen,da sie irgendwie auch eigenartig und fremd klingt. Auf diese Art der Musik muss man sich vollends einlassen können, das gelingt mir leider nicht.
Update: Habe ich New Wave geschrieben? Das meinte ich gar nicht. Ich meinte diese Ethno-Gülle aus den 90ern? Wie hieß die nochmal mit Fachbegriff?

Like a stuntman bei myspace
Like a stuntman bei last.fm

Lenka – Lenka

lenkaDirekt der Opener “The Show” weiß popstilistisch trefflich zu überzeugen und hat daher verdienterweise bereits den Weg in das deutsche Radio und in die musikalischen Herzen der Musikkäufer geschafft. Irgendwo habe ich Lenka mit dieser Singleauskopplung im oberen Viertel der deutschen Charts aufblitzen sehen. Ich bin kein Gegner der klassichen, guten Popmusik, aber hier ist mir oftmals zu viel Zuckerguss in der Stimme und den Melodien. Ein bisschen zu glatt, ein bisschen zu wenig Individualität. Da fehlt im direkten Vergleich mit bspw. Regina Spektor der Pepp und der Ideenreichtum.
Allerdings gehört das Debutalbum von Lenka durchaus zur der Kategorie: “hörbare Klangabfolge”.

Lenka bei myspace
Lenka bei last.fm
Lenka bei wikipedia

Hot Gossip – You look faster when you are young

hotgossipLos geht es auf “You look faster when you are young” direkt mit einer entsprechenden Einstellung. Schnell, rocklastig und mit englischem Einschlag. In den letzten Jahren bin ich ja von dieser Art der Musik völlig abgekommen und orientiere mich eher an ruhigeren Sphären. Mich macht das Gitarrenschrammeln und stakkatoartige Rumkloppen auf den Drums immer etwas nervös. Deswegen habe ich persönlich mit diesem Album nicht viel Spaß. Versetze ich mich mal 10 Jahre zurück, als ich Oasis noch für die Götter des Musikuniversums hielt, kann ich sagen, mir würden die Lieder auch nicht gefallen, wenn sie in mein Musikrepertoire gehören würden. Die Lieder klingen sehr ähnlich und lassen sowohl Abwechslung, wie Orginalität fehlen. Auch wenn “Schnelligkeit” das Konzept des Albums sein soll, habe ich meist den Eindruck, die Band versucht sich so schnell wie möglich durch das Album zu hecheln. Einzig “You better known” scheint eine Erholungsinsel auf dem musikalischen Ritt zu sein. Es wird sicher den ein oder anderen dankbaren Hörer finden – ich gehöre diesem Kreis allerdings mit Bestimmtheit nicht an.

Hot Gossip bei myspace
Hot Gossip bei last.fm

Hello Saferide – More modern short stories from hello saferide

hellosaferideDer Trend geht offensichtlich zum langen Albumtitel. Aber gut. Tauchen wir ein in die Kurzgeschichten von “Hello Saferide“. Erster Song, erster Eindruck der weiblichen Stimme: Toll! Klare Stimme, verständliche Worte und direkt geht es los mit dem modernen Troubardix.
Wie könnte es bei einem Album einen besseren Einstieg geben, als über verschiedene Songs und ihre Einflüsse zu singen? Hello Saferide überzeugt hier nicht nur durch die Musik, sondern eben wirklich durch die kurzen, instrumental visualisierten Geschichten. Die Lyrics zu den Songs können direkt auf der offiziellen Seite abgerufen werden. Es lohnt sich wirklich mal ein bisschen Zeit in die Texte zu investieren. Alles in allem stelle ich mir so ein gelungenes Album vor. Hier stimmt die Stimme, die Musik und die Texte. Ein wunderbares Gesamtkonzept.
(Kleiner Tipp: Bei Tonspion kann der Song “Arjeplog” gratis angehört oder gedownloaded werden; Download allerdings nur nach Eintragung in den Newsletter der Band auf der offiziellen Seite)

Hello Saferide auf myspace
Hello Saferide auf last.fm
Hello Saferide auf wikipedia

There will be fireworks – There will be fireworks

fireworksLos geht es mit “Colombian Fireworks”. Das hier verwendete sprachliche Intro erinnerte mich sofort an “My Culture” von 1 Giant Leap. Gewollt? Das Album ist ein bisschen schwerfällig. Manchmal geht mir die verzerrte Stimme ein bisschen auf die Nerven. Dabei sind einige Songs im Album enthalten, die ich wirklich gut finde (z.B. We sleep through the bombs oder Headlights; beide ruhigerer Natur). Dann kommen aber Lieder wie “We were a roman candle”. Das fängt langsam und ruhig an und dann aufeinmal kommt wieder diese verzerrte Stimme und macht mich ganz hektisch. Also sorry Julia, aber dem kann ich leider nichts abgewinnen. Der Opener hielt für mich persönlich leider nicht was er versprochen hat.

There will be fireworks bei myspace
There will be fireworks bei last.fm

The Temper Trap – Conditions

tempertrapThe Temper Trap reihen sich in die Riege des Falsettgesangs ein und versuchen damit den Nerv der Zeit zu treffen. Anders als viele ihrer Kollegen vermischen sie das aber nicht mit elektronischen Beats, sondern mit rockigen Gitarren. Dabei erinnern sie stimmlich teilweise an die rockige Version von Mika oder den Scissor Sisters und musikalisch an U2 oder ja – Coldplay. Im Alternative-Segment sind die Musikstücke nicht immer sehr eingängig und müssen für einen intensiveren Eingang mehrmals gehört werden. Umso erfrischender, dass man hier direkt einen Zugang findet. Aber für mich gilt noch immer: die beste Musik ist die, die man erst kennen lernen muss, um sie zu mögen und zu verstehen. Daher finde ich durchaus Potential in der Platte, zum sofortigen Kauf animiert sie mich allerdings nicht.

The Temper Trap – Science of fear (Gratis Download)
The Temper Trap bei myspace
The Temper Trap bei last.fm
The Temper Trap bei wikipedia (Englisch)

Fazit:
“Modern short stories from hello saferide” habe ich mir direkt für 7,99 € bei iTunes gekauft. Das hat mich wirklich zu 100 Prozent überzeugt. The Temper Trap und Lenka gehören für mich zum hörbaren Durchschnitt und alle anderen Alben haben mir nicht gefallen. Aber: es handelt sich hier um streitbaren Geschmack, der bekanntlich bei jedem unterschiedlich ausgeprägt sein kann.

Beitragsfoto im Original von krazydad/jbum (flickr); die Rechte der Albencover liegen bei wem auch immer – jedenfalls nicht bei mir!

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5 Kommentare »

  • endgueltig meinte:

    Oh, da hast du dir aber sehr Mühe gegeben. Sehr schöne Erst-Kritiken…

  • Dany (admin) meinte:

    Vielen Dank. Diesmal hatte ich aber auch sehr viel Zeit, da ich mir ja ein langes Wochenende gegönnt habe. Freut mich immer sehr, wenn die Kritiken jemandem gefallen. ;-)

  • juliaL49 meinte:

    Ok, Hello Saferide ziehe ich mal per Spotify rein. Der Probesong von The Temper Trap klingt ok (dh schwankend zwischen “eigentlich ganz hörbar” und “ah ne, hat man schon so oft gehört”).

    There Will Be Fireworks ist ziemlich speziell und ich habe mich auch erst gewöhnen müssen :) Aber man will ja ab und zu auch mal was anderes hören.

    Stichwort was anderes: Spielst du bei dem Faletto auf die Wild Beasts an?

  • Dany (admin) meinte:

    @julia: Für The Temper Trap gilt für mich das gleiche. Das hat man schon so oft gehört. Was den “Faletto” angeht: ich spiele hier nicht unbedingt auf eine bestimmte Band oder einen bestimmten Interpreten an, sondern auf diese wieder in Mode gekommene Art und Weise zu singen. Passion Pit, MGMT, Scissor Sisters, Mika, Wild Beasts und wie sie alle heißen. Was bei den ersten noch innovativ klingt, wird langsam beliebig.
    Ach, und was “There will be fireworks” angeht: ich habe sie mir – entgegen der Regeln 2x angehört. Es hat nicht geholfen. ;-)

  • juliaL49 meinte:

    Hab eigentlich gar nicht erwartet, dass dir die Fireworks gefallen, weil es so speziell ist :)

    Höre gerade Hello Saferide und komme langsam auf den Geschmack. Der erste Song war etwas langweilig, aber 2008 und Lung haben mir sehr gut gefallen. Wenn Klavier richtig eingesetzt wird, dann kann das richtig gut werden. Mir sagen nicht alle Songs zu, aber das ist bei Kurzgeschichten ja auch so.

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