Slumdog Millionaire O.S.T. – Eine Liebeserklärung
Ich bin selten ein Fan von Soundtracks, da sie entweder eine bessere Compilation sind oder eher aus instrumentalen Sequenzen bestehen, die mich zu Tode langweilen. Natürlich gibt es immer wieder einzelne Lieder, die mir gut gefallen oder bei denen ich sagte: Ja, so muss das sein. Dass ein ganzer Soundtrack mich allerdings aus den Schuhen hebt, kommt außer bei Baz Luhrman-Filmen (vor Australia) eher selten bis gar nicht vor. Zum Zweiten muss ich anmerken, dass ich ein Mensch bin, der kommerziell erfolgreichen Projekten oftmals Vorurteile gegenüber hegt, was im musikalischen Bereich nicht zuletzt an Chartplatzierungen wie “Schnappi” oder “Dem Ketchup-Song” liegt. Deswegen fahre ich im filmischen Bereich auch selten auf Lobhudeleien der Oscar-Veranstaltung ab. Es nervt mich im Vorhinein dieses Events immer vorgekaut zu bekommen, welche Filme ich gefälligst zu sehen habe. Nervig ist auch, dass es immer Filme mit einer grandiosen Nominierungsüberflutung schaffen, die in Deutschland nicht mal beworben wurden. So auch bei “Slumdog Millionaire“. Da wusste ich bereits, dass die zwei halbwüchsigen Darsteller in irgendeinem indischen Slum ihrer mangelnden Schulbildung zum Opfer fallen werden, bevor ich den Inhalt des Filmes kannte. Meine Begeisterung den Film anzusehen hielt sich somit sehr in Grenzen.
So trug es sich zu, dass ich aus reiner Verlegenheit in der Videothek stand und keinen anderen Film leihen konnte außer “Slumdog Millionaire” oder einen Slasher-Film. Da fiel mir die Entscheidung nicht mehr ganz so schwer. – Aber hey: Was für ein Film? Was für geile Musik?
Bereits wenige Minuten nach dem Film hing ich wie ein Junkie vor seinem Dealer und bat iTunes mir den Soundtrack gegen ein bisschen Kleingeld zum Download anzubieten. Es gab sich gnädig, hatte es doch nichts besseres zu tun.
Der Soundtrack zu “Slumdog Millionaire” ist – irgendwie: alles. Er ist fremd, vertraut, energetisch und verspielt. Er wirkt rasend, brutal, aggressiv und rhythmisch beruhigend. Da hört man hin und wieder M.I.A.s Stimme, die immer ein bisschen hart und anklagend klingt. Da dröhnen bei Paper Planes beim Quartett der Pistolenschüsse die Ohren; da jagt die Gänsehaut beim folgenden Durchladen über den Rücken.
Da laden die Klänge von “Jai Ho” und “Ringa Ringa” zum Tanzen ein. Wenn ich die Augen schließe, fühle ich durch die rhytmischen Trommelschläge mein Blut durch die Adern in meine Ohren fließen, um dort im Takt zu pulsieren. Da stört mich auch die zeitweise eingesetzte pure Instrumentalisierung nicht mehr, da ich mir bewusst bin, dass jedes gesungene Wort nur zur Zerstörung des Augenblick beitragen würde.
Bei geschlossenen Augen läßt man indische Landschaften und Sonnenuntergänge zur Hintergrundbeschallung von “Latika’s Theme” vor dem inneren Auge ablaufen. Eigentlich läßt jeder einzelne Song eine andere Assoziation zu, die es ermöglicht Bilder zu erzeugen, auch wenn man den Film nicht gesehen hat.
Ich kann A.R. Rahman, der diesen Soundtrack im Wesentlichen geprägt hat, wirklich nur ein Kompliment für dieses Feuerwerk an Musik aussprechen, da ich nicht müde werde, diese wirklich phantastischen 13 Songs immer und immer wieder abzuspielen und mich zu freuen, wie geil Musik sein kann.
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Du hast Recht – die Lieder sind toll, aber auch der Film ist wirklich sehr sehenswert.
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