Home » Musik, Musikalisches Allerlei

2009 – Eine musikalische Revue

24. Dezember 2009 # 1,001 views # 2 Kommentare

Vielerorts werden derzeit die Bestenlisten der letzten Dekade oder des sich nun dem Ende zuneigenden Jahres mit Lob gepreist. Ich möchte diesem Trend nicht aus dem Weg gehen, sondern mich ihm mutig entgegenstellen. Allerdings möchte ich die Regeln nicht so eng schnüren und hier 10 Alben vorstellen, die alle 2009 erschienen sind und mich vom Hocker gerissen haben. Stattdessen werde ich hier einfach eine wahllos sich beim Schreiben ergebende Anzahl an Alben Revue passieren lassen, die mich im letzten Jahr gefunden haben. Es ist sicher den aufmerksamen Lesern unter Euch aufgefallen, dass mein Musikgeschmack seit Beginn dieses Blogs große Veränderungen durchlebt hat. Gab es anfangs häufig aufgewärmte Mainstreamkost, bin ich durch viele meiner befreundeten Blogfreundschaften und das immer noch unendlich wirkende Internet auf extrem gute Musik jenseits der Musikcharts und dem Radiogedudel aufmerksam geworden. Dafür bin ich sehr dankbar. Das Jahr 2009 war bei diesen Veränderungen das eigentlich entscheidende, deswegen möchte ich meine ganz persönlich neu entdeckten Alben 2009 vorstellen. Jahresübergreifend. Länderübgreifend. Genreübergreifend. Und ja, es wird sich trotzdem auch Mainstream finden lassen…

Fanfarlo – Reservoir

Den Anfang machen in diesem Jahr Fanfarlo, die ihren Fans ihr Album “Reservoir” mit 15 fantastischen Songs für nur 1 $ zum Download angeboten haben. Aufmerksam geworden bin ich durch Julia und nicorola auf dieses wirklich starke Album. In dieses Album habe ich mich bereits beim ersten Hören verliebt, was eigentlich selten vorkommt, da ich mindestens ein bis zwei Runden benötige, um die Musik in mich aufzusaugen und den Melodien die Möglichkeit zu geben, sich in meinen Ohren zu entfalten. Die Stücke sind wunderbar instrumentalisiert und ergeben durch ihre Bandbreite einen neuen, frischen Sound. Leckerbissen: “The Walls are coming down”:

Dennis Lisk – Suchen und Finden

Als ich das Album das erste Mal hörte, dachte ich ad hoc: Nicht schon wieder ein ehemaliger “Hip-Hopper”, der das Erfolgsrezept Cluesos kopiert und nun meint singen zu müssen. Aber was soll ich sagen: Nach mehrmaligem Hören, habe ich erkannte, dass Dennis Lisk zwar nicht an Clueso heran reicht, aber absolutes Ohrwurmpotential besitzt. Seine Texten beschäftigen meinen Geist, seine Melodien zerfließen auf meiner Zunge. Immer wieder höre ich dieses Album gern. Eine meiner deutschsprachigen Platten des Jahres. Leckerbissen: “Lass los”

Mumford & Sons – Sigh no more

Was sagt man nun dazu: Folk oder Country? Egal, >Heureka< auf dieses Debut. 12 Stücke lang wird man bei geschlossenen Augen in ein irisches Pub versetzt, bei dem man sich gut vorstellen kann – entgegen der eigenen leicht schüchternen Art und Weise – mit wildfremden Menschen auf noch fremderen Tischen zu tanzen. Gute Laune ist vorprogrammiert, auch wenn nicht alle Texte die Glückseeligkeit versprechen. Das lässt sich ohne schlechtes Gewissen vernachlässigen. Mitreißend, ekstatisch und süchtig machend. Leckerbissen: “Little Lion Man”

The XX – The XX

Allein das Intro der Scheibe ist der absolute Hammer und ich bin jedesmal enttäuscht, dass es lediglich 2:08 Minuten dauert. Und obwohl es sich hier um ein Instrumentalstück handelt (das Aaahaha zählt ja wohl nicht…) kann ich gar nicht genug davon bekommen. – Aber das Stück hat noch wesentlich mehr zu bieten. Wie habe ich bei Sascha mal in den Kommentaren geschrieben:

Ich finde das ist ein super chilliges Album, dass man sowohl zu dieser Jahreszeit, aber auch gut durch den von Melancholie getragenen Herbst und Winter hören kann. Ich lasse mich gern vom Groove begleiten und auch wenn Du dem Album eine gewisse Traurigkeit unterstellst, kann ich mir gut vorstellen, in einem Auto zu sitzen, in die unbekannte Ferne zu fahren, mich von den Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne blenden zu lassen und mir das Lächeln bei den Klängen von Chrystalised nicht verkneifen zu können.

Mich wirft das Album wirklich um. Leckerbissen: “Crystalised”

Wye Oak – The Knot

Ich weiß rückblickend betrachtet nicht mal mehr wie ich auf dieses Kleinod aufmerksam geworden bin. Aber irgendwie gelang es von meinen Ohren, in meinen Geist und von dort direkt in mein Herz. For Prayer ist für mich so ein Stück von totaler und konsequenter Ambivalenz, die sich in weiten Teilen durch die gesamte Platte zieht: Während des zaghaften Gesangs still und ruhig, manchmal sogar auffordernd und dazwischen rockig und rotzig.
Wye Oak – Take it in
Wer sich selbst einen umfassenden Eindruck verschaffen will, kann auf der Labelseite von Wye Oak das komplette Album streamen.
Leckerbissen: “For prayer”

Paolo Nutini – Sunny Side up

Nach seiner Debutplatte “These Streets” fiel mir der Einstieg und Zugang zu “Sunny side up” wahrlich schwer. Sind doch hier vorwiegend beschwingte Sommerstücke zu finden, die zwar immer noch die Paolo-typische Rotzigkeit in der Stimme hervorbringen, im Gegensatz zu Stücken wie “Last Request” oder “Jenny don’t be hasty” irgendwie zu sehr “Coppa-Cabana” klingen und weniger rockiger. Die Lieder auf “Sunny side up” scheinen dem Closer “Alloway Groove” des Debutanten ein ganzes Album hinterher schieben zu wollen. Das ist auf den zweiten Blick auch ein dankbar anzunehmendes Konzept. Mittlerweile erkenne ich stilistisch manchmal eine James Brown Ähnlichkeit (z.B. bei Coming up easy). Irgendwann fiel mir dann auch der Rock wieder auf…
Leckerbissen: “Coming up easy”

Jochen Distelmeyer – Heavy

Die letzten beiden Alben widmen sich der guten alten, wenn auch früher eher von mir gemiedenen, Deutschen Sprache. Den Anfang macht Jochen Distelmeyer, der mir noch zu Blumfeldzeiten mit “Tausend Tränen tief” die ultimative Gänsehaut bereitete und meine jugendlichen Depressionen nach vorne trieb. Somit war das Hören von “Heavy” mehr als Pflichtprogramm. Und nach einem sperrigen “Wohin mit dem Hass?” nahm ich von diesem Vorhaben einige Wochen Abstand. Dann aber wieder packte mich der Zufall und das Album wurde komplett gehört. Einmal und noch einmal und nochmals. Sehnsüchtige Texte mit eklatanter Aussage. Mal traurig, mal Ja-sagend, mal einfach nur schön. Dickes Lob und vorallem: uneingeschränkte Hörempfehlung.
Leckerbissen: eigentlich “Lass uns Liebe sein” – da gibt es aber offensichtlich kein Video von. Daher: “Wohin mit dem Hass?”

LaBrassBanda – Übersee

So auf den letzten Drücker noch in diesem Jahr gefunden. Mehr so durch Zufall. Auf der 11/09-CD des Musikexpress war ein Stück des Albums “Übersee”. Erst dachte ich: Seit wann macht Jan Delay mit Blaskapelle einen drauf. Dann kapierte ich, das ist gar nicht Jan Delay. Nun, irren ist menschlich. (Ich muss mich sputen, denn ich wurde gerade in mahnendem Ton gerufen – Geschenke wollen noch eingepackt werden…). Wer Gute-Laune-Musik schätzt, wem bayerischer Akzent nicht das Essen im Magen umdreht und der ein bisschen auf Musikkapellen steht, dem sei LaBrassBanda wirklich wärmstens ans Herz gelegt. Mir gefallen sie ausgesprochen gut.
Leckerbissen: Auch hier eigentlich ein anderer: nämlich “Bierzelt”, aber ein Video gibt es lediglich von “Bauersbua”; ist aber auch schön.

An dieser Stelle erwähne ich nicht nochmal den grandiosen “Slumdog Millionaire O.S.T”, der zweifellos auch in diese Liste gehört, den ich aber schon in einem eigenen Artikel mit Lob überfahren habe.
So, ich hoffe ein bisschen Spaß hat die 3.566.366,4556. Liste zu den Alben 2009 trotzdem gemacht.

Ich wünsche Euch alle frohe und besinnliche Tage, lasst Euch reich beschenken – sowohl materiell wie auch emotional. Bis die Tage!

Diese Beiträge könnten Dich ebenfalls interessieren:

  1. Blogparade: Der Sommerhit 2009
  2. Erinnerung an die Blogparade: Der Sommerhit 2009
  3. Das Albenkritik-Stöckchen
  4. Wunschhören! – der zweite Anlauf
  5. Blog-Parade: Drei Alben des Jahrzehnts



2 Kommentare »

  • juliaL49 meinte:

    Eine sehr schöne Idee und dazu in Form einer so abwechslungsreichen Liste :) (Und so knackige Formulierungen! Da ist es gut, dass du uns erhalten geblieben bist ;) ).

    Wye Oak werde ich mir definitv öfter anhören und mal sehen, ob ich Paolo in neu oder alt öfter hören werde.

    Auch dir frohe Festtage mit vielen (musikalischen) Geschenken :cow

  • Dany (admin) meinte:

    Vielen Dank für das Lob. Es freut mich echt, dass einige meinen Blog wirklich mögen und hier gerne lesen.

    Musikalische Geschenke blieben aus – außer die drei die ich mir am Heiligen Abend selbst gegönnt habe (LaBrassBanda, Slow Club (!) und Mumford & Sons). Dafür gab es allerdings andere schöne Geschenke. :-)

    Ach, und was die “knachigen Formulierungen” angeht: Irgendwie muss ich ja kompensieren, dass ich keine zutreffende Genrezuordnung auf die Reihe bekomme. :question

Was meinst Du?

Schreib hier Deinen Kommentar oder - wenn Du meinst er sei zu lang, setze einen Trackback von Deinem Beitrag auf Deinem eigenen Blog.

Spammer sollen mir gestohlen bleiben. Jeder der hier seine Meinung veröffentlichen möchte, kann dies gern tun. Allerdngs möchte ich keine Beleidigungen oder Verleumdungen lesen. Solche Kommentare werden umgehend gelöscht. Solltest Du das erste Mal hier sein oder eine andere Email-Adresse als bisher verwenden, muss Dein Kommentar erst freigeschaltet werden, bevor er für alle sichtbar wird. Ich bitte um Verständnis!

Smilies:

:zyklop :vampire :tv :tiger :snowman :sleep :shy :schildkroete :rainbow :question :poop :pirate :pill :peace :note :ninja :looser :lion :kungfu :koala :jfhsdf :island :iro :hippo :headphones :devil :cow :cool :clown :clap :chicken :big :beten :alien :aerger :X-D :-x :-O :-I :-D :-/ :-)