Blogparade: Mein musikalischer Werdegang
Meinen ersten englisch-sprachigen Song, den ich ohne eigentliche Fremdsprachkenntnisse fehlerfrei mitsingen konnte war „Yellow Submarine“ von „The Beatles“.
Das rote und blaue Album der Bealtes wurde damit schnell zum Mekka meiner kindlichen Musikleidenschaft und lief in Dauerrotation auf dem heimischen Plattenspieler. Ich befürchte diese Tatsache verleidete dem eigentlichen Besitzer der Platte – nämlich meinem Papa – auf Jahre hinaus den Hörgenuss dieser Platten.
Zu meiner Grundschulzeit 1985-1989 war Musik, gelinde gesagt, überhaupt kein Thema auf den Schulhöfen, ebenso wenig wie die Tapezierung der Zimmerwände mit Fanpostern oder den damals sehr beliebten Bravo-Starschnitten.
An einen ausgereiften Musikgeschmack war zu dieser Zeit also überhaupt nicht zu denken und manches Mal runzelte ich fragend und unwissend die Stirn über die Eintragungen meiner Schulkameraden in diese überflüssigen „Meine Schulfreunde“-Bücher: da wurden permanent zwei Lieder genannt. Zum einen „Eisgekühlter Bommerlunder“ und „Zu spät“. Beide Lieder sagten mir über Jahre nichts und deutschsprachige Musik war damals – auch wenn ich Null Ahnung hatte – ein absolutes No Go.
1987 stolperte ich zufällig im nachmittäglichen Fernsehprogramm bei Ronnys Popshow auf dem ZDF über ein Musikvideo mit den tanzenden Hot Dogs und dem komischen Froschmensch. Aufgrund dieser Visualisierung und der melodischen und vor allem gefallenden Akustik blieb mir eben genau dieser Song Jahre lang im Gedächtnis. Leider wusste ich weder wie der Song hieß, noch wer der Interpret war. Jahre später wurde es mir dank Internet, Google und den einprägsamen Liedfetzen „Alberquerque, Hot Dog und Frog“ möglich den Song ausfindig zu machen: Prefab Sprout’ „King of Rock n Roll“ hat seitdem eine Art Kultstatus in meiner Musiksammlung.
1990 gelang ich – ohne dass ich mich heute noch erinnere wie es dazu kam – in den Besitz des New Kids on the Block Werkes „Step by step“. Damit war die Eintrittskarte in meine Boygroupzeit gekauft und eingelöst. Zugegebenermaßen besitze ich heute noch alle Alben von den fünf Jungs aus den USA – außer dem letzten Album vor ihrer Auflösung und allem was nach der Reunion kam.
Wie dem auch sei: Anfang der 1990er war diese Art von elektronisch versetztem Pop absolut angesagt und die BRAVO berichtete jede Woche und in jedem Heft von NKOTB und heizte dabei die naiven Mädchenträume an. Überhaupt war die BRAVO für die größten Verseuchungen des Musikmarktes verantwortlich und trägt dieses Stigma noch heute – gepaart mit VIVA und MTV – auf den Fahnen. Die BRAVO war auch für meine kurzzeitige Verirrung in den Gefilden von David Hasselhoff verantwortlich und suggerierte mir, dass er nicht nur ein großer Sänger, sondern auch noch ein talentierter Schauspieler sei. Während seine klassischen Songs von ihm ebenso wie bei vielen anderen Jugendlichen über die Lautsprecher des Kassettenrekorders übersteuerten, blieb mir aber vor allem ein ganz bestimmtes Lied bis heute unvergesslich. Obwohl es bei mir, wie auch bei meiner noch heute besten Freundin Silke das kalte Grauen auslöste, trug es doch zu unserer stetigen Erheiterung bei und dartf an dieser Stelle der Peinlichkeiten nicht fehlen: David Hasselhoffs verhunzter Versuch einer Art Coverversion von Peter Maffays „Du“.
Mein Papa, der offensichtlich leicht irritiert über die Entwicklung meines musikalischen Geschmackes war – hatte ich doch anfänglich nur Musik von Santana, BAP, Udo Lindenberg, Supertramp, Beatles, The Who, etc. konsumiert – schenkte mir Anfang der 90er (kurz nach dem NKOTB Ausbruch) das Michael Jackson Album „Thriller“. Sein Plan, fortan nie mehr die an Körperverletzung grenzenden Töne der Boygroup-Mentalität aus meinem Zimmer zu vernehmen, ging zwar nicht so schnell auf, verlief tendenziell aber bereits in die richtige Richtung.
Im Laufe der folgenden Jahre entwickelte sich dann aber doch so etwas wie eine Subkultur meines Musikgeschmackes, der den Wegbereiter für die kommenden Jahre ebnen sollte. Nach einigen peinlichen Ausflügen in die Welt des Euro-Trashs (die wohl zutreffendste Bezeichnung eines Musikgenres) erhellte das Christkind meine kleine Welt mit dem Geschenk der Geschenke: Nirvana-Nevermind. Auch wenn es sich dabei eher um den damals aufkeimenden Seattle-Grunge handelte, möchte ich behaupten, dass damit meine endgültige Punk-Affinität eingeläutet wurde. Nachdem ich zwischenzeitlich aufgrund weniger zufrieden stellender Noten vom Gymnasium auf die Realschule wechselte und dadurch mit neuen Freunden belohnt wurde, erhielt ich den Zugang zu den Lieder meiner Vergangenheit: „Eisgekühlter Bommerlunder“ und „Zu spät“ fanden den Weg zu mir zurück und fortan waren „Die Ärzte“, „Die toten Hosen“ und „WIZO“ meine neuen Wegbegleiter. Obwohl dies auch heute noch Bands sind, die ich entweder noch höre oder deren Vergangenheit ich mich nicht schäme, gab es trotzdem zu dieser Zeit – wie bereits erwähnt – noch Verirrungen in Richtung Euro-Trash und das Boygroup-Milieu. Ich berichtete bereits in meinem Werdegang mit Robbie Williams, das der „Worlds Aparts“ Hit Je te donne ein Evergreen einer jeden Party wurde. Auweia!
Nach drei bis vier Jahren der Verehrung der deutschen Punk-Szene hatte ich den Wunsch nach weniger rebellischen und revolutionären Facetten der Musik, was mich um 1996 dann endlich zu Oasis, Blur, Pulp, R.E.M. und The Verve spülte.
Tja, und dann kam Robbie!
Dann kam lange Zeit nichts.
Und dann kam der Wunsch, endlich mal Alternativen zu den immer gleich klingenden Charts zu finden und mich der infantilen Herde von begeisterten Anhängern der Schnappi-Kultur zu entziehen, zu denen ich nie gehören wollte. Der Einstieg war nicht leicht, da das Gehör, der Kopf und das Empfinden bereits zu sehr auf den Einheits-Mainstream konditioniert war. Jahrelang gefolterte Ohren mussten sehr zaghaft an Indie, Folk und Alternative im Großen und Ganzen herangeführt werden. Mittlerweile bin ich sehr froh, dass mir das Internet die Möglichkeit eröffnet, mir ganz andere Musikwelten zu erschließen, als es die „normalen“ Medien zulassen: mehr Musik zu konsumieren, mir mehr Musik zugänglich zu machen und mich in Zeiten des Social Web Gedankens von anderen inspirieren zu lassen.
Angefangen hatte dies mit der zufälligen Entdeckung von Robert Downey Jr’s leider bisher einzigem musikalischen Werk „The Futurist“. Weiter ging es mit meinem Einstieg in die Bloggosphäre im Jahre 2006 und der Entdeckung verschiedener Musikblogs. Bon Iver und Greg Laswell waren die ersten beiden großen Entdeckungen und ihnen folgten noch sehr viel mehr.
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Ah, die Bravo! Hat auch mich einige Jahre begleitet (und meine Wände bepostert). Da habe ich mein Taschengeld genau eingeteilt, dass es noch für die 2,10 DM am Donnerstag gereicht hat :)
bei diesen “meine schulfreunde”-büchern hatte ich auch immer das problem, absolut keine ahnung zu haben. mozart und beethoven waren die einzigen namen von musikern, die ich kannte, und als ich die einmal da reinschrieb, hielten alle das für einen witz… meiner erinnerung nach habe ich dann noch am selben nachmittag begonnen, songs vom radio auf kassette aufzunehmen…
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